Galgenfrist für Fischotter in Niederösterreich vorbei

    8. November 2017, 07:00
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    Der erste Fischotter wurde Mitte Oktober geschossen, bis Sommer 2018 sind noch 39 Abschüsse möglich

    Wien – Mitte Oktober wurde der erste Fischotter von Teichwirten in Niederösterreich geschossen, bestätigt das Büro des Landeshauptfraustellvertreters Stephan Pernkopf (ÖVP) dem STANDARD. Zur Erinnerung: Nach Anträgen der Teichwirte und des Landesfischereiverbands hatte das Land Niederösterreich im vergangenen Februar die Tötung von 40 Fischottern bis Sommer 2018 erlaubt.

    Von 1. November bis 28. Februar 2018 dürfen vorerst weitere 19 Tiere geschossen werden. In dieser Frist dürfen die Otter zudem unabhängig von Alter und Geschlecht uferfern direkt mit Langwaffen geschossen werden, also ohne vorheriges Fangen und Begutachten. WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre kritisiert diesen Direktabschuss: "Wissenschaftlich weiß man über Fischotter noch viel zu wenig, um auszuschließen, dass Weibchen um diese Jahreszeit noch Junge führen."

    Zudem steht der WWF den Bestandszahlen skeptisch gegenüber. Aktuell soll es 600 bis 800 Fischotter in Niederösterreich geben. Wie Verhaltensforscher Kurt Kotrschal schon im März kritisierte, dient als Datenbasis nur ein Monitoring aus dem Jahr 2008.

    Der Gegenwind von Wissenschaftern, NGOs und Privatpersonen war groß, als die Ausnahmeregelung bewilligt wurde. Helmut Pechlaner äußerte etwa die Befürchtung, dass eine temporäre Bejagung der gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie EU-weit streng geschützten Tierart "alle Schleusen öffnen könnte". 22.000 Leute unterstützten eine WWF-Petition gegen den Abschuss.

    Auch Kärnten erwägt Jagd

    Der Umgang mit Fischottern in anderen Bundesländern ist unterschiedlich. Kärntens Fischer fordern ebenfalls eine Lockerung des ganzjährigen Jagdverbots. Aktuell lässt das Land Kärnten daher einen Bericht über den Bestand erstellen. Im Burgenland oder in der Steiermark scheint der Managementplan mit Förderungen für Zäune ausreichend zu sein. Eine Fischotterjagd ist nicht angedacht.

    Das Land Niederösterreich hat parallel zur sogenannten Entnahme der Otter ebenfalls Förderungen und Entschädigungen erhöht und die Beratung verbessert, informiert das Büro von Pernkopf. Laut Landwirtschaftskammer Niederösterreich habe sich die fischotterdichte Einzäunung bewährt. Gefördert werden vom Land Niederösterreich aktuell 75 Prozent der Nettomaterialkosten für die Zaunerrichtung, wobei die maximale Fördersumme bei Elektrozäunen mit 1.000 Euro und jene bei Fixzäunen mit 5.000 Euro gedeckelt ist. (july, 8.11.2017)

    • Die Bundesländer gehen unterschiedlich mit dem Schutz von Fischteichen vor Fischottern um.
      foto: apa/rolf haid

      Die Bundesländer gehen unterschiedlich mit dem Schutz von Fischteichen vor Fischottern um.

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