Neues Leben auf verbrannter Erde

    12. November 2017, 11:00
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    Judith Schaufler untersuchte Auswirkungen von Waldbränden auf Boden und Pflanzen

    Bergwälder spielen eine wichtige Rolle bei der Trinkwasserversorgung, schützen vor Naturgefahren wie Hangrutschungen und sind zudem unverzichtbare Kohlenstoff- und Stickstoffspeicher. Windwurf oder Insektenbefall können Bergwaldsysteme relativ leicht aus dem Gleichgewicht bringen, eine besonders große Gefahr aber sind Brände. In ihrer mit drei Forschungspreisen ausgezeichneten Masterarbeit am Institut für Waldökologie der Wiener Universität für Bodenkultur (Boku) hat Judith Schaufler die Auswirkungen von Bergwaldbränden auf die Vegetations- und Bodenentwicklung untersucht.

    "Ich wollte herausfinden, wie die durch Brände verlorenen Kohlenstoff- und Stickstoffvorräte im Boden mit der Zeit wieder aufgebaut werden können", berichtet die auf Waldböden spezialisierte Forscherin. Zu diesem Zweck hat sie einen vor 63 Jahren niedergebrannten Bergwald in den nördlichen Kalkalpen untersucht.

    Erika kann Kohlenstoff speichern

    Dabei fand Schaufler heraus, dass in wieder bewachsenen Böden nach über sechs Jahrzehnten 40 Prozent der ursprünglichen Kohlenstoff- und Stickstoffvorräte wieder aufgebaut waren. Was die 31-Jährige überraschte: Bei diesem Regenerationsprozess wirkt eine Pflanze an vorderster Front mit: die Erika. "Dieses Heidekrautgewächs kann mit seinem dichten Wurzelfilz relativ viel Boden bilden und Kohlenstoff speichern", sagt die Bodenexpertin. "Ihre dichten Vegetationspolster wirken auch sehr gut gegen Erosion, weil sie den Boden festigen."

    Für ihre Arbeit hat sie auch andere Gebirgspflanzen wie Gräser, Fichten, Latschen oder Lärchen untersucht, doch an die regenerative Wirkung der Erika kam keine andere heran. Zentrale Erkenntnis ihrer Untersuchungen: Es hängt von der Art der Vegetation ab, wie sich Waldböden entwickeln und wie viel Kohlenstoff und Stickstoff darin gespeichert werden kann. Mit diesem Wissen lässt sich auch abschätzen, wie lange ein gestörtes Bergwaldsystem zu seiner vollständigen Regeneration braucht. "Innerhalb eines Menschenlebens ist das meist nicht möglich", verweist Schaufler auf die enorm langfristigen Folgen von Waldbränden, die durch den Klimawandel künftig auch in Österreich häufiger werden dürften.

    Wissenschaftliche Erkenntnisse für Umweltschutz

    Ihre Waldleidenschaft führt die Wienerin ohne Familienforst übrigens auf regelmäßige Ferien bei Oma und Opa auf dem Land zurück. "Dort entstand meine Liebe zur Natur." Eine bisschen Familientradition kam bei der Studienwahl aber doch ins Spiel: Immerhin haben bereits die Großeltern und der Vater an der Boku studiert.

    Mittlerweile arbeitet Judith Schaufler am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) an einem Bildungsprojekt, für das sie ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse sehr gut brauchen kann. So organisiert sie "Bodenworkshops" für angehende Land- und Forstwirte und entwickelt Infomaterialien wie etwa den "Waldboden-Rucksack" für Waldpädagogen. "Man schützt nur das, was man kennt", sagt Schaufler. "Und Beschützer brauchen unsere Böden und Wälder angesichts von Klimawandel und maßloser Bodenversiegelung heute dringender denn je."

    Auch ihre Freizeit verbringt Schaufler am liebsten im Wald: in den endlosen Waldlandschaften Skandinaviens, in einem österreichischen Urwald namens Rothwald oder schlicht hinterm Haus im Wienerwald. (Doris Griesser, 12.11.2017)

    • Judith Schaufler setzt sich für den Schutz von Wald und Böden ein.

      Judith Schaufler setzt sich für den Schutz von Wald und Böden ein.

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