Kalorienzählen im Badezimmerspiegel

9. November 2017, 12:39
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Studententeam der Fachhochschule Vorarlberg bekam begehrten Red Dot Award

Dornbirn – Eine Projektarbeit von vier Studenten der FH Vorarlberg machte beim Red Dot Award 2017 Furore. Das Ergebnis einer Projektarbeit im Studiengang Intermedia bekam am 27. Oktober in Berlin den begehrten roten Punkt des internationalen Designpreises Red Dot Award Communication Design.

"Wearables, die man am Körper trägt, gibt es schon genug", dachten sich die vier Intermedia-Studenten, als sie vor die Aufgabe gestellt wurden, innerhalb von sechs Wochen ein Produkt zu entwickeln, das sich im Internet der Dinge vernetzen lässt. Sie entdeckten den Badezimmerspiegel als passendes Medium für Menschen, die personalisierte Informationen zur Gestaltung ihres Tagesablaufs brauchen, und machten ihn zum "Smart Mirror U".

Der intelligente Spiegel des Studententeams ist für alte und kranke Menschen gedacht, die im Bad ihre aktuellen Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Blutzuckerwerte und Medikamenteneinnahme abrufen können. Eine weitere Zielgruppe sind jene Bewegungsfreaks, die ihre Performancedaten und neuen sportlichen Herausforderungen für den Tag schon beim morgendlichen Blick in den Spiegel bekommen. "Es ist doch cool, wenn man alle Daten an einem Ort hat", sagt Teamsprecher Benjamin Lipinski, "statt sich noch eine Fitnessuhr, noch einen Schlaftracker, Schritt- oder Kalorienzähler anzuschaffen."

Dashboard im Bad

Der Spiegel wird zum Dashboard, rund um das Gesicht herum werden die Daten angezeigt. Freilich nur für autorisierte Nutzer. Denn das Gerät funktioniert über Gesichtserkennung und Handgesten. Gästen bleiben die persönlichen Daten verborgen.

Der prämierte Prototyp, der voll funktionsfähig ist, "ist nicht super kompliziert, den könnte man auch zu Hause bauen", sagt Lipinski. Man brauche dazu nur einen Zweiwegspiegel, ein TV-Gerät, Leap-Motion-Software zur Gestenerkennung und einen einfach gebauten Mikrocomputer.

Gesteuert wird der Spiegel über ein Smartphone. Zweifel, ob der Spiegel tatsächlich alten Menschen bei der Alltagsbewältigung, beispielsweise der regelmäßigen Medikamenteneinnahme, helfen kann, lässt Lipinski nicht gelten. Kombiniert mit einer smarten Pillendose würden die Daten einfach erfasst. Lipinski: "Einmal eingerichtet, muss man an dem Spiegel nicht viel bedienen. Einfaches Wischen genügt." Einrichten könnten die Senioren das Gerät ja zusammen mit den Enkeln, schlägt der Designer vor.

Noch ist der Spiegel ein Prototyp. Interesse an einer Weiterentwicklung bestünde, sagt Lipinski. Bis aus der Idee ein Alltagsgegenstand wird, werde es noch dauern. "Unser Anliegen ist ja nicht der Verkauf", sagt Lipinski, "unser Fokus ist, Technik und Mensch zusammenzubringen." (jub, 9.11.2017)

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