Klimawandel schluckt Inselstaaten

    8. November 2017, 09:00
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    Die 23. Klimakonferenz steht unter dem Vorsitz von Fidschi. Der Inselstaat im Südpazifik könnte wieder neuen Schwung in die Umsetzung des Klimavertrags bringen. Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht die Existenz von Menschen in tiefer liegenden Regionen

    Wien – Der Anstieg des Meeresspiegels ist laut mehreren Studien unvermeidlich. In den kommenden hundert bis zweihundert Jahren drohen niedrig gelegene Landstriche, darunter Inselstaaten und Großstädte wie Tokio und Singapur, zu versinken. Diese Daten veröffentlichte die US-Weltraumbehörde Nasa Ende 2015. Getan hat sich seither freilich wenig. Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre ist noch nie so schnell gestiegen wie 2016, informierte die World Meteorological Organization (WMO) in ihrem aktuellen Treibhausgasbericht.

    Dieser sowie der Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) dienen als Grundlage für die 23. Klimakonferenz, die ab sechstem November in Bonn stattfindet. Den Vorsitz hat Fidschi, einer jener Inselstaaten, die besonders vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. Die 332 Inseln des Archipels ragen im Schnitt ein bis drei Meter aus dem Südpazifik.

    Der Anstieg des Meeresspiegels ist seit 1992 mit Satellitendaten der Nasa und der französischen Weltraumbehörde Cnes millimetergenau dokumentiert. Laut diesen Daten sind die Weltmeere seit diesem Zeitpunkt durchschnittlich um 7,6 Zentimeter gestiegen. Insgesamt stieg der Meerespegel seit dem späten 19. Jahrhundert um knapp 20 Zentimeter, informiert Stefan Rahmstorf, Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wo er das Fach Physik der Ozeane unterrichtet. Für das Jahr 2100 schwanken die Prognosen im US-Klimareport zwischen 50 Zentimetern und zwei Metern.

    Rahmstorf zählt die Ursachen auf: Rund 40 Prozent stammen von der thermischen Ausdehnung des Meerwassers, etwa ein Drittel vom Verlust der Gebirgsgletscher und rund ein Viertel vom schmelzenden Eis Grönlands und der Antarktis.

    "Wenn alle Eismassen weltweit schmelzen, würde der Meeresspiegel um 65 Meter ansteigen", so Rahmstorf zum STANDARD. Doch schon der Verlust von wenigen Prozent des Eises wäre verheerend für tiefer liegende Regionen. Als besonders verwundbar nennt der Wissenschafter auch die dicht besiedelten Flussmündungen. Dazu zählen etwa das Nildelta, das Mekongdelta sowie das Ganges-Brahmaputra-Meghna-Delta in Bangladesch.

    Historische Daten vorhanden

    Der Anstieg des Meerespegels verlief im 20. Jahrhundert viel schneller als in jedem anderen Jahrhundert der vergangenen 3.000 Jahre, so Rahmstorf. Die Vergleichsdaten können aus Proxydaten, etwa Sedimentablagerungen, entschlüsselt werden, die häufig in der Klimaforschung verwendet werden. Bei der Studie zum Anstieg des Meeresspiegels in den vergangenen 3.000 Jahren wurden Bohrkerne aus Torfmooren von Küsten verwendet. Ergänzend gibt es Analysen von möglichen natürlichen Schwankungen. Diese haben ergeben, dass mindestens die Hälfte des Pegelanstiegs im 20. Jahrhundert vom Menschen verursacht wurde, sagt Rahmstorf.

    Für die bedrohten Gebiete bedeutet selbst eine Kehrtwende in der globalen Klimapolitik kein Verschnaufen. Der Anstieg des Wassers wird hunderte Jahre weitergehen. Nun geht es nur noch um Schadensbegrenzung. (Julia Schilly, 8.11.2017)

    • Inselstaaten wie Kiribati, es liegt großteils weniger als zwei Meter über dem Meeresspiegel, drohen zu versinken.
      foto: reuters / david gray

      Inselstaaten wie Kiribati, es liegt großteils weniger als zwei Meter über dem Meeresspiegel, drohen zu versinken.

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