Cerebralparese: Kürzere Muskeln, längere Sehnen

    7. November 2017, 14:10
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    Die Beeinträchtigung führt dazu, dass die von der Muskulatur erzeugte Kraft nicht entsprechend weitergeleitet wird

    Graz – Wird das Gehirn bei der Geburt unzureichend mit Sauerstoff versorgt, führt diese Cerebralparese (CP) zu einer lebenslangen Beeinträchtigung in der Bewegung. Den Ursachen auf muskulärer Ebene sind Wissenschafter der Uni Graz und der Med Uni Graz auf den Grund gegangen: Die Vergleichsstudie zwischen gesunden und beeinträchtigten Kindern hat gezeigt, dass CP kurze Muskeln und längere Sehnen hervorruft. Dies kann dazu führen, dass die von der Muskulatur erzeugte Kraft nicht entsprechend weitergeleitet wird.

    Durch die Cerebralparese sind die neuronalen Abläufe gestört, die Körperpartien werden nicht mehr gezielt angesteuert, die Motorik ist mitunter stark beeinträchtigt – und das ein Leben lang. Die durch die frühkindliche Gehirnschädigung verursachte Bewegungsstörung ist bislang nicht heilbar. Die entsprechende Therapie dient vor allem dazu, das alltägliche Leben zu verbessern.

    Geringe Anspannung der Muskeln

    Markus Tilp und Annika Kruse vom Institut für Sportwissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz sowie Martin Svehlik von der Medizinischen Universität Graz haben nun beobachtet, was sich in der Beinmuskulatur von bis zu zwölfjährigen Kindern mit leichteren Fällen von Cerebralparese tut. Mithilfe von Ultraschall wurde das elementare Zusammenspiel von Muskel und Sehne beobachtet.

    "Dabei haben wir festgestellt, dass im Vergleich zu gesunden Kindern, die Muskeln kürzer, die Sehnen hingegen länger ausgebildet sind", sagt Tilp. Die dadurch gehemmte Wechselwirkung führt zu einer verringerten Festigkeit der Sehnen, so dass eine Anspannung des Muskels zu schwach ausfällt und eine störungsfreie Bewegung unterbleibt. "Selbst bei den leichten Fällen von Cerebralparesen war die Maximalkraft der Kinder um fast 50 Prozent geringer als bei gesunden Kindern", erläutert der Sportwissenschafter.

    In einem weiteren Schritt wollen die Forscher die Therapie des Stretchings, die häufig in Fällen von CP angewandt wird, unter die Lupe nehmen. Ziel ist es, die Wirkung der Behandlungsform zu klären oder ein zielführenderes Trainingsprogramm zu entwickeln. (red, 7.11.2017)

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