Statistik Austria: Sicherheitsgefühl der Österreicher ist gestiegen

7. November 2017, 18:22
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Österreich zählt nach wie vor zu den reichsten Ländern der Welt, das Wohlstandsniveau stagniert allerdings. Die Zufriedenheit im Land bleibt hoch

Wien – Die Titelseiten der Zeitungen in Österreich waren in den vergangenen zwei Jahren wesentlich von zwei großen Themen geprägt: Terror und Flüchtlinge. Die vielen Anschläge in Europa und die große Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015 schienen auch das Unsicherheitsgefühl in Österreich zu erhöhen. So sind die privaten Waffenkäufe zuletzt deutlich gestiegen.

Das in der Bevölkerung wahrgenommene Unsicherheitsgefühl hat allerdings nicht zugelegt, es ist sogar leicht gesunken. Das geht aus einer neuen Publikation der Statistik Austria hervor, die am Dienstag in Wien veröffentlicht wurde. Seit 2012 sammeln und veröffentlichen die Statistiker einmal im Jahr wichtige Indikatoren zu Lebensqualität, Wirtschaft und Umwelt, um die Frage "Wie geht's Österreich?" beantworten zu können. Ein Teil der Auswertungen beruht auf Interviews mit rund 11.000 Menschen, die Datenbasis ist also recht breit.

Probleme mit der Kriminalität

Mit der Frage "Haben Sie in Ihrer Wohngegend Probleme mit Kriminalität, Gewalt oder Vandalismus?" wird auch das persönliche Sicherheitsempfinden der Bürger abgefragt. 11,7 Prozent beantworten diese Frage in Österreich mit Ja. Der Wert war in den vergangenen zwei Jahren leicht rückläufig. In der EU liegt der Wert mit 13,6 höher. Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria, spricht von einem für ihn selbst auch etwas überraschenden Ergebnis. Eine wirkliche Begründung für die Entwicklung hat er nicht, "aber die Zahlen würden die These untermauern, dass die objektiven Gefahren in den Medienberichten überschätzt werden und mit subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungen nicht übereinstimmen". Wobei Pesendorfer darauf hinweist, dass die Bürger nur speziell im Zusammenhang mit ihrer Wohngegend befragt wurden.

Personen mit höhren Einkommen fühlen sich unsicherer als jene mit niedrigen Einkommen. Das bedeutet aber nicht, dass sie tatsächlich stärker von Kriminalität betroffen sind, bei der Statistik Austria ist von einem "Kriminalitätsfurcht-Paradoxon" die Rede.

Klub der Wohlhabenden

Personen, die "selbst seltener von Kriminalität betroffen sind, fürchten sich demnach eher davor". Im Gegenzug, so sagt Pesendorfer, gibt es Gegenden, in denen man gewohnt ist, dass mehr passiert und dies "zur Gewohnheit" wird. Wie die Auswertung der Statistik Austria zeigt, gehört Österreich zu einer kleinen Elite von Ländern mit einem im internationalen Vergleich beinahe beispiellosen Wohlstand. Österreichs Wirtschaftsleistung pro Kopf ist die vierthöchste in der EU, die Lebenszufriedenheit der Menschen ist im Vergleich entsprechend hoch. Rund 38 Prozent der Österreicher geben an, dass ihre Zufriedenheit auf einer zehnstufigen Skala bei neun oder zehn liegt. Elf Prozent sind sehr unzufrieden. Der Mittelwert liegt bei 7,9 Punkten, der EU-Schnitt liegt bei 7,1.

Wobei Wirtschaftskrise und Veränderungen in der Arbeitswelt ihre Spuren hinterlassen, so bei den Einkommen. Die Statistiker haben die Erwerbsbevölkerung in vier Gruppen geteilt, in Hoch- und Niedrigverdiener. Jemand, der gerade noch zur Gruppe der untersten Einkommensbezieher gehört, verdient heute inflationsbereinigt um 20 Prozent weniger als Ende der 1990er-Jahre (siehe Grafik). Der Mindestverdienst bei den obersten 25 Prozent ist im Zeitraum sehr moderat um 2,9 Prozent gestiegen.

Wesentlich beigetragen zu dieser äußerst schwachen Entwicklung der Markteinkommen hat laut Pesendorfer vor allem der starke Anstieg der Teilzeitquote. Auch die Zunahme an nicht stabilen Beschäftigungsverhältnissen, unselbstständige Arbeitnehmer wechseln freiwillig oder unfreiwillig den Job, trägt dazu bei. So sind die Einkommen jener Menschen, die sich dauerhaft in Vollzeitbeschäftigung befinden, über die vergangenen Jahre moderat gestiegen.

Die Einkommen der Haushalte (pro Kopf) sind zwar zuletzt ebenso leicht gesunken. Über die vergangenen 20 Jahre gab es aber hier doch einen Zuwachs.

Dass Marktlöhne pro Kopf und Haushaltseinkommen auseinanderklaffen, hat mehrere Ursachen. Die Beschäftigung in Österreich ist gestiegen, das heißt, die Zahl der Verdiener im Haushalt ist höher als in der Vergangenheit. Im Haushalteinkommen werden zudem Pensionszahlungen und soziale Transfers sowie Bildungs- und Gesundheitsleistungen berücksichtigt.

Stärker als die Haushaltseinkommen zugelegt hat die Wirtschaftleistung pro Kopf, die anderen Sektoren der Volkswirtschaft, Unternehmen und der Staat, bekommen also mehr vom Wohlstandskuchen ab. (András Szigetvari, 7.11.2017)

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    Die Bruttolöhne entwickelten sich zuletzt verhalten, ein wesentlicher Grund dafür ist die gestiegene Teilzeitquote.

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