Erdogan: Atatürk-Kulturzentrum wird abgerissen und neu errichtet

    7. November 2017, 11:19
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    Neuer Gebäudekomplex am Taksim-Platz soll in veränderter Form im Frühjahr 2019 wiedereröffnen

    Istanbul – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan lässt mit dem Atatürk-Kulturzentrum in Istanbul ein Symbol der Gezi-Proteste abreißen und durch einen ähnlichen Neubau ersetzen. Der neue Gebäudekomplex am Taksim-Platz solle bereits im Frühjahr 2019 seine Türen für das Publikum öffnen und unter anderem ein Opernhaus von Weltklasse-Niveau beherbergen, sagte Erdogan am Montag in Istanbul.

    Der Staatschef kritisierte, der Widerstand gegen den Abriss und Wiederaufbau gehe nicht auf kulturelle Gründe zurück, sondern auf "ideologische Besessenheit". Auch das neue Kulturzentrum soll den Namen von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk tragen.

    Bei den regierungskritischen Gezi-Protesten im Sommer 2013 hatten Demonstranten das im Volksmund AKM (Atatürk Kültür Merkezi) genannte Gebäude besetzt. Auslöser war, dass Erdogan – damals noch als Ministerpräsident – den geplanten Abriss verkündet hatte. Erdogan rückte die Gegner eines Abrisses am Montag in die Nähe von Terror-Sympathisanten. "Die Gesinnung, die gegen den Wiederaufbau des AKM ist, und die Mentalität, die versucht, den Kampf der Türkei gegen Terrororganisationen zu verhindern, ist dieselbe", sagte er.

    Nach einem animierten Video der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu soll die Fassade des neuen Gebäudekomplexes der markanten Glas- und Beton-Front des alten Kulturzentrums nachempfunden sein, allerdings deutlich heller und luftiger wirken. Das bisherige Atatürk-Kulturzentrum verfällt seit Jahren.

    Das Haus war 1969 als "Istanbuler Kulturpalast" eröffnet worden, um dort Aufführungen der Staatsoper, des Staatsballetts und des Staatstheaters zu zeigen. Nach einem Feuer im Jahr 1970 wurde es renoviert und 1977 als Atatürk-Kulturzentrum wiedereröffnet. Schon 2005 hatte das Kulturministerium empfohlen, das Gebäude abzureißen. Angesichts des Widerstands dagegen wurden die Pläne zwar auf Eis gelegt, 2008 wurden die Aufführungen aber eingestellt. (APA/dpa, 7.11.2017)

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