Nach Anschlag in Kabul: Moderatoren senden mit Bandagen weiter

7. November 2017, 13:43
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Bewaffnete lieferten sich Feuergefechte mit Sicherheitskräften, dabei gab es mindestens zwei Tote

Kabul – Als Polizisten verkleidete Angreifer haben einen Fernsehsender in der afghanischen Hauptstadt Kabul gestürmt und mindestens zwei Menschen getötet. Wie der Sender Shamshad TV berichtete, sprengte sich einer der mit Panzerfäusten und Schusswaffen bewaffneten Angreifer am Eingang des Gebäudes in die Luft und riss einen Wachmann mit in den Tod.

Nach Behördenangaben wurde ein weiterer Wachmann getötet. Sicherheitskräfte beendeten die Attacke, zu der sich die IS-Miliz bekannte.

"Angriff ist beendet"

"Der Angriff ist beendet", berichtete Shamshad TV am frühen Nachmittag (Ortszeit). "Nach Angaben des Kommandanten der Spezialkräfte wurden alle Mitarbeiter, die sich im Gebäude aufhielten, gerettet." Der Sprecher des Innenministeriums, Najib Danish, sagte, an dem Angriff seien drei Bewaffnete beteiligt gewesen. Zwei Wachleute seien getötet und fünf weitere Menschen verletzt worden. Bei den Verletzten handle es sich um einen Mitarbeiter und vier Feuerwehrleute.

Der Sender, der landesweit in paschtunischer Sprache berichtet, setzte die Ausstrahlung des zuvor unterbrochenen Programms unmittelbar nach dem Ende des Angriffs fort. "Das ist ein Angriff auf die Freiheit der Medien, aber sie können uns nicht zum Schweigen bringen", sagte der Nachrichtenchef von Shamshad TV, Abid Ehsas, dem Sender Tolo News, als er verletzte Mitarbeiter in einem Krankenhaus besuchte.

Drohungen habe der Sender bisher nicht erhalten. Auch Nachrichtensprecher traten kurz nach dem Attentat mit Bandagen an den Händen wieder auf.

Er selbst sei in seinem Büro gewesen, als die in Polizeiuniformen gekleideten Bewaffneten ins Gebäude eindrangen, berichtete Ehsas. "Sie töteten einen unserer Wachleute, stürmten ins Gebäude und begannen zu schießen. Die meisten von uns konnten fliehen, aber einige wurden verletzt, und manche sprangen aus dem Fenster."

Nach Angaben des Senders drang nach dem Selbstmordattentat am Eingang ein anderer Angreifer ins Innere des Gebäudes vor und schoss auf Mitarbeiter. Dann sei er auf das Dach gestiegen und habe von dort auf Sicherheitskräfte geschossen. Spezialkräfte sprengten eine Mauer, um sich Zugang zu dem Gelände des Senders zu verschaffen. Sie lieferten sich Schusswechsel mit den Bewaffneten und konnten den Angriff nach etwa drei Stunden beenden.

IS bekennt sich

Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich über ihr Sprachrohr Amaq zu der Attacke. Die radikalislamischen Taliban hatten zuvor im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärt, nicht für den Angriff verantwortlich zu sein.

Kabul wurde in den vergangenen Wochen von mehreren tödlichen Attacken erschüttert. Die radikalsunnitische Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Angriffe auf schiitische Moscheen und auf Militäreinrichtungen in Afghanistan verstärkt. Ende Oktober setzte der IS ein Kind für ein Selbstmordattentat ein.

Die Tat vom Dienstag war der erste groß angelegte Angriff auf Medien in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban 2001. Der Angriff wirft ein Licht auf die Gefahren, denen Journalisten in dem Land ausgesetzt sind.

Im vergangenen Jahr kamen am Hindukusch besonders viele Journalisten ums Leben: Laut dem Afghanischen Komitee für die Sicherheit von Journalisten wurden 13 Medienmitarbeiter getötet, davon zehn von den Taliban. (APA, 7.11.2017)

  • Angestellte des TV-Senders Shamshad brachten sich am Dienstag nach dem Angriff des IS in Sicherheit.
    foto: ap / rahmat gul

    Angestellte des TV-Senders Shamshad brachten sich am Dienstag nach dem Angriff des IS in Sicherheit.

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    foto: twitter / habib khan totakhil
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