Péter Eötvös: Als Luc Bondy Klang wurde

    6. November 2017, 15:46
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    Der Komponist im Porträt bei Wien Modern

    Wien – Bartók überquert den Ozean: So nennt Peter Eötvös den vierten Satz seiner Sonata per sei. Das Stück ist eine Beschwörung des Übervaters der ungarischen Musik, der Eötvös (Jahrgang 1944) hier mächtig über die Schulter zu blicken scheint. Unschwer lassen sich Bartóks perkussiv geprägte Klavierwerke und -konzerte sowie insbesondere auch die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug als Vorbild erkennen. 2006 schrieb der Schüler von Bartóks Mitstreiter Zoltán Kodály eine Projektion vitalistischen Musizierens für zwei Klaviere, drei Schlagzeuger und Sampler-Keyboard voller virtuoser Läufe – mit abwechslungsreichen Intervallkonstellationen nach den Vorlieben des großen Vorbildes.

    Das Klangforum Wien ließ hier wie beim gesamten Eötvös-Porträt-Konzert unter der Leitung des Komponisten im Rahmen von Wien Modern interpretatorisch keinen Wunsch offen; und doch blieb die Sonata eher eintönig, zumal im Vergleich mit den Klangfarbenspielen der restlichen Programmpunkte.

    Shadows lebt vor allem von der räumlichen Projektion der Soloflöte und -klarinette, die im doppelchörigen Ensemble Resonanz finden. Das ergab vor allem dank des sicheren Klangforums reizvolle Effekte. Die im Raum verteilten Lautsprecher sorgten zwar für suggestive Wirkungen, doch auch für eine Vergröberung des Sounds, die zu den Nuancierungen des Ensembles einen unauflöslichen Widerspruch ergab.

    Eines von Eötvös' besten Werken ist jedoch seine Chinese Opera - entgegen dem Titel weder Oper, sondern ein reines Instrumentalwerk, noch chinesisch, gleichwohl äußerst farbenprächtig. Man muss gar nicht wissen, dass Eötvös beim Komponieren zum einen eine filmische Realisation vor Augen hatte und zum anderen bei jedem der vier Teile an einen bestimmten Regisseur (nämlich Peter Brook, Luc Bondy, Klaus Michael Grüber und Patrice Chéreau) dachte.

    Auch so entwickelt man beim Hören der plastischen Gesten räumliche und atmosphärische Assoziationen: massive Pfeiler, verwobene Schlieren – eine bunte und zugleich übersichtlich straffe Musik zwischen verträumten Lyrismen und kubistischer Klarheit, die (gemäß dem heurigen Festivalmotto) reichlich "Bilder im Kopf" zu erzeugen vermag.

    Im Rahmen des Festivals Wien Modern wird das Klangforum Wien zudem am 22. November beim Erste-Bank-Preisträgerkonzert mit Werken von Sieger Hannes Kerschbaumer zu hören sein. (Daniel Ender, 6.11.2017)

    • Dirigiert das Klangforum im Konzerthaus: Péter Eötvös.
      foto: jean-francois leclercq

      Dirigiert das Klangforum im Konzerthaus: Péter Eötvös.

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