Hinweise auf weitere Planeten um Proxima Centauri

Video6. November 2017, 15:43
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Staubringe deuten an, dass der erdnächste Exoplanet Proxima b seine Runden womöglich nicht alleine zieht

Die Entdeckung eines Exoplaneten um Proxima Centauri im August 2016 war für sich genommen schon eine Sensation: Die Welt kreist um den erdnächsten Stern in nur 4,2 Lichtjahren Entfernung und stellt damit auch den erdnächsten bekannten Exoplaneten dar. Dass das Proxima b genannte Objekt möglicherweise erdähnlich ist, macht den Fund noch spannender. Ob dort Leben möglich wäre, ist aber noch unklar.

Fest steht: Im System unseres Nachbarsterns gibt es noch viel zu entdecken. Nun haben Astronomen mithilfe des Alma-Observatoriums in Chile Staubreste um Proxima Centauri aufgespürt, die einen bemerkenswerten Schluss zulassen: "Der Fund ist nach der Entdeckung des erdähnlichen Planeten Proxima b der erste Hinweis darauf, dass es um den sonnennächsten Stern nicht nur einen einzigen Planeten, sondern ein ganzes Planetensystem geben könnte", sagte Guillem Anglada vom andalusischen Institut für Astrophysik in Granada, Erstautor der Studie in den "Astrophysical Journal Letters".

illustration: eso/m. kornmesser
Künstlerische Darstellung der neu erspähten Staubgürtel um Proxima Centauri. Der äußere Gürtel könnte auf ein komplexeres Planetensystem hindeuten.

Bröckchen und Brocken

Die neuen Beobachtungen zeigen Emission von Wolken, die aus kaltem kosmischen Staub bestehen und den Stern wie Gürtel umgeben. Solche Staubgürtel sind Überreste von Materie aus der Entstehung von Planetensystemen, aus denen sich keine größeren Körper gebildet haben. Die Partikel aus Gestein und Eis können sich in der Größe deutlich unterscheiden: Sie reichen von winzigsten Staubkörnern mit einem Durchmesser von wenigen Millimetern bis zu asteroidenähnlichen Brocken mit einem Durchmesser von mehreren Kilometern.

Ein Teil des nun beobachteten Staubs scheint in einem Gürtel zu liegen, der sich von Proxima Centauri aus über mehrere hundert Millionen Kilometer erstreckt und eine Gesamtmasse von etwa einem Hundertstel der Erdmasse besitzt. Die Temperatur des Gürtels wird auf etwa minus 230 Grad Celsius geschätzt, vergleichbar mit dem Kuipergürtel im äußeren Sonnensystem.

european southern observatory (eso)
Erklärvideo der Europäischen Südsternwarte (Eso).

Komplexes System

Darüber hinaus deuten die Daten auf einen noch kühleren Staubgürtel hin, der sich weiter außen befindet. Und das könnte ein Hinweis auf ein komplexeres Planetensystem sein: Die Strukturen würden den deutlich größeren Gürteln in unserem Sonnensystem ähneln und seien wohl aus Gesteins- und Eispartikeln entstanden, aus denen sich keine Planeten bilden konnten, so die Forscher um Anglada. Sollte sich das bestätigen, wäre der Gürtel durch die große Entfernung zu seinem Mutterstern, der kühler und lichtschwächer ist als unsere Sonne, einer extrem kalten Umgebung ausgesetzt.

Das wiederum würde nahelegen, dass Proxima Centauri ein Mehrfachplanetensystem haben könnte, das in der Vergangenheit viele Wechselwirkungen erfuhr, durch die sich der Staubgürtel bildete. Anglada: "Weiterführende Untersuchungen könnten Informationen liefern, wo weitere bisher unentdeckte Planeten zu finden sind." (red, 6.11.2017)

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