Italien will auf "Slow-Tourismus" setzen

    6. November 2017, 13:34
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    Frankenweg als Pilgerroute von Canterbury nach Rom immer beliebter

    Rom – Statt Massentourismus will Italien immer mehr auf "Slow-Tourismus" setzen. Der italienische Kulturminister Dario Franceschini hat ein Internetportal für umweltbewusste Reisende eingerichtet, die Italien auf Wanderwegen kennenlernen wollen. "Wir wollen italienische Orte abseits des internationalen Massentourismus fördern", sagte Franceschini nach Medienangaben.

    Die italienische Regierung wolle sich von nun an für qualitativ hohen Fremdenverkehr einsetzen, indem das Kulturangebot stärker gefördert werde, sagte der Minister. Radtourismus, Pferdereisen, sowie Touren mit alten Zügen seien Formen von Tourismus, auf die Italien demnächst verstärkt bauen wolle.

    Geschichtsträchtige Eisenbahnen

    Die italienische Regierung habe einen Teil der EU-Fonds kleineren historischen Gemeinden mit großem Entwicklungspotenzial zugeschanzt, erläuterte Franceschini. Rom wolle sich unter anderem um die touristische Förderung eines 800-Kilometer-Netzes geschichtsträchtiger Eisenbahnen bemühen.

    Mehr als 40 lange Wanderwege sind auf dem Webportal aufgelistet, unter anderem der Frankenweg – der mittelalterliche Pilgerweg von Canterbury nach Rom, der in Italien seine Wiedergeburt erlebt. Immer mehr Menschen aus ganz Europa wandern auf der rund 2.000 Kilometer langen Strecke in die Ewige Stadt. Die Via Francigena führt vom englischen Bischofssitz nach Frankreich und dann über Reims, Besancon, Lausanne, durch das Aosta-Tal und Siena bis zur Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus in Rom. Der Weg gehörte zu den drei großen Routen, die Christen nach Rom, Santiago de Compostela oder Jerusalem führten.

    Ähnlich dem Jakobsweg

    Entlang der Via Francigena, die als eine der ersten großen Straßen Europas gilt, können Pilger eine Fülle von Baudenkmälern, Ruinen und Palästen bewundern. Sinnsuchende, Powerwalker und Biker treten den langen Weg an. Ein Fünftel der Pilger sind junge Menschen unter 30, vor allem Studenten und Pfadfinder. Italiener, Spanier, Franzosen und Engländer trifft man am häufigsten auf der Via Francigena. Viele haben bereits Erfahrung mit dem Jakobsweg in Nordspanien. (APA, 6.11.2017)

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      foto: getty images/sam edwards
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