Wie ORF 1 ganz anders wird: Die Etat-Wochenschau

Kolumne6. November 2017, 06:57
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Und: ein neuer Chefredakteur für den STANDARD

1. Gleich am Montag wird es ernst mit ORF 1 und seiner Zukunft. Jedenfalls mit der ORF-internen Reformarbeitsgruppe für den jüngeren Hauptsender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Am Montag präsentiert eine Abordnung des guten Dutzends Fachkräfte dem amtierenden ORF-Chef, wie der jahrzehntelange Kaufprogrammsender voller Serien, Filme und Premiumsport ein doch ziemlich anderer werden soll.

Das langjährige Ligengebäude ORF 1 bröckelte Champions um Champions, Euro um Euro und nun um Bundes (genau: League und -liga). Schon deshalb braucht der Sender ab Mitte 2018 etwas Neues für den Mittwoch (beim vorigen Verlust der Champions League kam dafür Dokutainment wie Armin Assingers "Einser Team" und "Der härteste Job Österreichs") und für den Sonntag.

Das ORF-interne "Einser Team", geleitet von Programmdirektorin Kathrin Zechner, schweigt vor dem Montagtermin mit Alexander Wrabetz. Entsprechend vage muss also auch die Wochenschau zur Zukunft von ORF 1 bleiben. Und selbst wenn ich mehr von den Vorschlägen wüsste – was tatsächlich kommt, hat der ORF-General zu bestimmen. Wrabetz und Entscheidung, das ist kein Feld, auf dem Prognosen einfach blühen. Zumal in Zeiten türkisschwarzblauer Regierungsbildung, die doch einigen Einfluss auf den ORF, sein Personal und seine Ausrichtung haben könnte.

Was lässt sich fürs Erste absehen aus den Vorschlägen? Die Arbeitsgruppe dürfte ORF 1 nicht gänzlich neu erfinden, als könnte man den Sender auf die grüne Wiese stellen. Dafür hat der Sender zuviel Programm auf Halde oder fix gekauft. Und ohne US-Serien ließe sich der ORF-1-Tag schwer füllen. Aber: Werden die Vorschläge des Einser-Teams in wesentlichem Maß umgesetzt, dann wird ORF 1 2020 echt anders aussehen. So höre ich das zumindest von den Höhen des Küniglbergs.

Die Reformideen dürften sich auf die Zeitzone von 18.30 Uhr bis Mitternacht konzentrieren – siehe Serien untertags.

Nahe läge, jedem Wochentag einen Schwerpunkt zu geben, und dem Sender ein klares Profil wie zum Beispiel Ö3. Womöglich Schwerpunkte, die nicht von Hollywood, Serie und Popcorn geprägt sind. Schwerpunkte wie die Dokureihe Dokeins zum Beispiel, doch an die kann sich das Publikum bisher schwer gewöhnen, wenn sich der ORF nur fünf Termine pro Jahr leistet.

foto: orf
Zukunftserprobt: Hanno Settele erprobte schon vor zwei Jahren für das Format Dokeins, wie sich die Zukunft anfühlt – hier in einem Alters-Simulationsanzug. Könnte die Zukunft von ORF 1 sein, wenn es nach der Küniglberg-Reformarbeitsgruppe für ORF 1 geht.

Österreichischer soll ORF 1 werden, unverwechselbarer, lautete ein Auftrag an die Arbeitsgruppe. Und: Der Kanal könnte merklich mehr Information vertragen. ORF-Chef Wrabetz hatte in seiner Bewerbung für die dritte Amtszeit 2016 – grob zusammengefasst – eine Stunde Infoshow pro Tag für den Hauptabend von ORF 1. Es dürfte nicht der Hauptabend werden, sondern der Vorabend, und vielleicht auch nicht eine Stunde Infoshow, aber jedenfalls mehr Infotainment im ersten Kanal des ORF.

Erste Schritte, auf dass ORF 1 ganz anders zumute wird, wohl insbesondere in der Information, für die Lisa Totzauer zuständig ist, sind für 2018 zu erwarten. Gegen Ende November dürfte sich der ORF-Stiftungsrat mit dem Programmschema für 2018 befassen, womöglich schon mit der einen oder anderen Änderung aus dem Einser Team.

2. Noch etwas gespannter als auf die nächsten ORF-Neuerungen bin ich, was Martin Kotynek mit dem STANDARD vorhat. Der neue Chefredakteur von derStandard.at und DER STANDARD, bisher Vizechefredakteur von Zeit Online, tritt diese Woche seinen Dienst an.

Was er vorhat, könnte ich vielleicht aus Fragen und Gesprächen über diesen besonderen Organismus unter der Marke STANDARD ableiten. Das gelingt mir allerdings bei anderen Medien besser. Also mach' ich's mir da einfach:

Martin Kotynek wird sich und seine Pläne erklären, wenn er den Job übernommen hat – den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Leserinnen, Usern und Posterinnen, den Lesern, Userinnen und Postern. Bleiben Sie dran! (Harald Fidler, 6.11.2017)

Die Etat-Wochenschau ist eine sehr subjektive Auswahl und Interpretation anstehender Ereignissen in der – vor allem österreichischen – Medien- und gelegentlich auch Werbebranche. Wie sich die Prognosen in der Medienrealität materialisieren, lesen Sie so rasch wie möglich auf derStandard.at/Etat.

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