Israels Armee hält Palästinenser als Faustpfand zurück

6. November 2017, 14:08
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Knapp eine Woche nach Zerstörung eines Angriffstunnels aus dem Gazastreifen – Netanyahu: "Wir holen unsere Söhne nach Hause"

Jerusalem/Gaza – Knapp eine Woche nach der Zerstörung eines Angriffstunnels aus dem Gazastreifen hat Israels Armee die Leichen fünf vermisster militanter Palästinenser geborgen. Dies teilte das Militär am Sonntag mit. Damit beläuft sich die Zahl der bei dem Einsatz getöteten militanten Palästinenser auf insgesamt zwölf, die meisten davon Mitglieder der Organisation Islamischer Jihad.

Israel hatte am 30. Oktober einen unter der Grenze verlaufenden "Terror-Tunnel" auf israelischer Seite zerstört. Der Einsatz mit den meisten Toten seit dem Gaza-Krieg 2014 nährte die Furcht vor einer neuen Eskalation der Gewalt.

Islamischer Jihad kündigt Rache an

Nach Angaben aus Gaza handelte es sich um einen unterirdischen Gang des Islamischen Jihads. Unter den Toten waren auch ranghohe Kommandanten des Jihads und der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Der Islamische Jihad kündigte Rache an.

Israel will die fünf Leichen nur im Rahmen eines Tauschs mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas herausgeben. Diese ist im Besitz der Leichen zweier israelischer Soldaten, die während des Gaza-Kriegs 2014 getötet wurden. Außerdem hat die Hamas zwei Israelis in ihrer Gewalt.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Montag: "Wir haben eine einfache Regel: Wer auch immer uns angreift, den greifen wir an. Zweitens machen wir keine Geschenke", sagte der Regierungschef am Montag. "Wir holen unsere Söhne nach Hause." Damit bezog sich der Regierungschef wohl auf die Leichen der israelische Soldaten.

Die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Jihad hatte allerdings bereits am Sonntag erklärt, sie werde sich an einem Tauschhandel nicht beteiligen. Die israelische Armee hatte am 30. Oktober einen aus dem Gazastreifen in israelisches Gebiet führenden Tunnel gesprengt. Dabei wurden mindestens zwölf Palästinenser getötet, fünf von ihnen auf israelischem Gebiet.

Die Hamas hatte 2007 nach einem blutigen Bruderkrieg gegen die gemäßigtere Fatah des Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas (Abu Mazen) die alleinige Macht im Gazastreifen an sich gerissen. Mitte September erklärte sie sich unter Vermittlung von Ägypten bereit, die Verwaltung wieder an die Abbas-Regierung abzugeben.

Die EU, die USA und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Israel hat eine Blockade über das Küstengebiet verhängt, die mittlerweile von Ägypten mitgetragen wird. (APA, 5.11.2017)

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