213 Meldungen wegen sexueller Belästigung im Vorjahr

    6. November 2017, 08:40
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    Das Gleichbehandlungsgesetz sieht Schadenersatz in der Mindesthöhe von 1.000 Euro vor

    Wien – Bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft (GAW) sind im Vorjahr rund 3.000 Fälle von Diskriminierung am Arbeitsplatz eingelangt – 213 davon wegen sexueller Belästigung. Aufgrund einer organisatorischen Änderung ist damit zu rechnen, dass beispielsweise Beschwerden über anzügliche Bemerkungen zunehmen werden.

    Seit Juli dieses Jahres bearbeiten nämlich neben der Zentrale in Wien auch die Regionalstellen Innsbruck, Linz, Graz und Klagenfurt alle Diskriminierungsfälle. Bis dahin waren die Bundesländerstellen ausschließlich mit der Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt beschäftigt – nun eben auch mit Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, der Weltanschauung, des Alters oder der ethnischen Zugehörigkeit. Opfer von sexueller Belästigung müssen also nicht mehr nach Wien fahren, um kostenlose und vertrauliche rechtliche Hilfe und Beratung zu erhalten.

    Gleichbehandlungskommission

    Die im Bundeskanzleramt angesiedelte GAW ist für Fälle zuständig, die nicht ins Strafrecht fallen. Die Anwaltschaft kann die Gleichbehandlungskommission im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen aktivieren. Die drei Senate der Kommission erstellen Gutachten, führen Einzelfallprüfungen durch und vermitteln zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Vor das Arbeits- und Sozialgericht gehen müssen Betroffene selbst.

    Dreijährige Frist

    Das Gleichbehandlungsgesetz sieht bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz Schadenersatz in der Mindesthöhe von 1.000 Euro vor. Zur Rechenschaft können nicht nur Täter selbst gezogen werden, sondern auch Arbeitgeber, die es unterlassen, gemeldete Belästigung zu unterbinden. Bei Beamten haftet der Bund. Die Frist zur gerichtlichen Geltendmachung eines Schadenersatzanspruchs beträgt drei Jahre. (simo, 5.11.2017)

    HILFE UND BERATUNG:

    Gleichbehandlungsanwaltschaft: 0800 206 119 (Mo bis Do 9 bis 15 Uhr, Fr 9 bis 12 Uhr).

    Frauenservice des Bundesministeriums für Frauen und Gesundheit: 0800 20 20 11 (Mo bis Do 10 bis 14 Uhr, Fr 10 bis 12 Uhr).

    Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555 (rund um die Uhr).

    Polizeinotruf: 133.

    Euronotruf: 112.

    Notruf des Bundeskriminalamts für Hörbehinderte: 0800 133133 (rund um die Uhr).

    Frauennotruf der Stadt Wien: 01 71 71 9 (rund um die Uhr).

    • Ingrid Nikolay-Leitner ist die Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft.
      foto: heribert corn

      Ingrid Nikolay-Leitner ist die Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft.

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