Lohnverhandlungen: Metaller sind kampfbereit

Video5. November 2017, 17:06
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Die Fronten zwischen den Verhandlerteams zum Metaller-KV sind verhärtet. Mittlerweile stehen Kampfmaßnahmen im Raum. Die Arbeitgeber zeigen sich verärgert

Wien – Nachdem schon vier Verhandlungsrunden der Sozialpartner der Metalltechnischen Industrie für den künftigen Kollektivvertrag (KV) ergebnislos verstrichen sind, signalisieren die Arbeitnehmervertreter vor der fünften Runde am Montag Kampfbereitschaft. "Wir fordern weiterhin vier Prozent mehr Lohn und Gehalt", hieß es am Sonntag von den Gewerkschaften Pro-Ge und GPA-djp in einer Aussendung.

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Die Sozialpartner in der Metallindustrie haben sich auch in der vierten Verhandlungsrunde nicht auf das Plus für Löhne und Gehälter einigen können. Zuletzt hat es einen Streit um die Teuerungsrate gegeben, sie ist die Basis für das Plus. Beitrag aus der ZiB um 6 Uhr.

"Sollte es in der fünften Runde keine Bewegung geben, die einen Abschluss ermöglicht, sind Kampfmaßnahmen beinahe unausweichlich", so die beiden Verhandlungsleiter der Arbeitnehmervertreter, Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Dürtscher (GPA-djp). In den Betrieben herrsche "hohe Kampfbereitschaft", richteten sie der Arbeitgebervertretung vom Fachverband Metalltechnische Industrie aus. "Der Zuspruch der Beschäftigten für unsere Forderung ist enorm, die Bereitschaft für Kampfmaßnahmen in den Betrieben ist hoch." Die Streikfreigabe sei bereits beim ÖGB beantragt worden.

Viele Konfliktherde

Doch viele Konfliktherde sind noch bei weitem nicht beseitigt. Die Arbeitgeber wollen die durchschnittliche Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate inklusive einer Berücksichtigung der Inflationsrate in den Kern-Exportmärkten als "Basis für eine faire Entgelterhöhung" heranziehen. Das Argument der Arbeitgeber: Wir verdienen acht von zehn Euro im Ausland. Das bringt die Arbeitnehmervertreter auf die Palme: Die Arbeitnehmer würden schließlich in Österreich einkaufen und Miete zahlen. In Österreich ist die Inflation etwas höher als in wichtigen Exportstaaten wie Deutschland.

Ein Blick auf die Inflationsraten in den europäischen Ländern zeigt, dass ein KV-Abschluss auf Basis einer EU-Inflationsrate ein schlechtes Geschäft für die Arbeitnehmer wäre. Laut Zahlen der Statistik Austria liegt hier die Inflationsrate nämlich um einen halben Prozentpunkt niedriger. Zum Verständnis: Im November des Vorjahres, als der jetzt noch gültige Kollektivvertrag für die Metallindustrie abgeschlossen wurde, lag die Zwölf-Monats-Inflationsrate in Österreich bei 0,9 Prozent und in der EU bei 0,2 Prozent. Die Sozialpartner einigten sich damals auf eine Lohn- und Gehaltssteigerung von 1,65 Prozent.

Immer noch kein Angebot

Verärgert zeigt sich die Gewerkschaft auch, dass es nach 40 Verhandlungsstunden noch kein Angebot der Arbeitgeber für die Lohn- und Gehaltserhöhungen gebe. Normalerweise bilden der Produktivitätszuwachs und die österreichische Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate die Basis, die bei 1,8 Prozent liegt.

Doch nicht nur beim Kernthema jeder Kollektivvertragsrunde, der Erhöhung von Lohn und Gehalt, spießt es sich. Auch beim Rahmenrecht, also Regelungen für Schichtdienste, Dienstreisen, Lehrlinge und Karenzen sind sich die Sozialpartner beinahe null entgegengekommen. Die Arbeitnehmervertreter werfen der Industrie vor, bei den Diäten für Auslandsreisen sogar Verschlechterungen vorzusehen. Die Industrie wiederum kritisiert die Arbeitnehmervertreter, diese würden Horrorszenarien zeichnen, die nicht der Realität entsprächen.

Der Fachverband stört sich indes an einer "rüden Tonalität in der Kommunikation" der Gewerkschaft. Auch dass die Gewerkschaft eine "Kampagne" zu ihren Forderungen führe, "anstatt von Beginn an sachlich zu verhandeln", stört die Arbeitgeberseite. Kurzum: Die Arbeitnehmervertreter müssten aus einem "inszenierten Konfliktmodus herauskommen", dann sei ein "Abschluss im Sinne der Beschäftigten und des Standorts" erreichbar. (APA, red, 5.11.2017)

  • Arbeitnehmer und -geber stehen sich bei den aktuellen Metallerlohnverhandlungen noch nicht sehr nahe. Gebe es nicht rasch eine Verhandlungsbasis, werde gestreikt, drohte die Gewerkschaft zuletzt.
    foto: apa / afp / sebastien bozon

    Arbeitnehmer und -geber stehen sich bei den aktuellen Metallerlohnverhandlungen noch nicht sehr nahe. Gebe es nicht rasch eine Verhandlungsbasis, werde gestreikt, drohte die Gewerkschaft zuletzt.

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