"Opus Magnum" im Test: Genialer Baukasten für Alchemisten

    Rezension4. November 2017, 11:00
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    Neues Puzzle-Spiel bringt Gehirne zum Rauchen und fasziniert durch endlose Möglichkeiten

    Zach Barth hat sich eine Nische geschaffen. Der US-amerikanische Indie-Entwickler hat mit seinem Studio Zachtronics Puzzle-Spiele auf den Markt gebracht, die ihresgleichen suchen: Sein 2009 entwickeltes Spiel "Infiniminer" war jene Blaupause, von der sich der Welterfolg "Minecraft" inspirieren ließ, sein 2011 veröffentlichtes, bisher erfolgreichstes Spiel "SpaceChem" ist ein innovativer Klassiker und mit "Infinifactory" und "Shenzen I/O" hat er seine ganz spezielle Art des kniffligen Puzzles weiterentwickelt.

    Mit "Opus Magnum" (Early Access, Windows, Mac, Linux, 19,99 Euro) legt Zachtronics ein weiteres Puzzle-Spiel vor, das die bekannten Spielmechaniken des Studios weiterentwickelt und variiert. Zugleich, so viel vorweg, ist es vielleicht das schönste und vor allem zugänglichste Spiel dieses Ausnahmeentwicklers – der perfekte Anlass, das einzigartige Rätselmastermind und seine Werke kennenzulernen.

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    Trailer zu "Opus Magnum".

    Alchemist und Maschinenbauer

    In "Opus Magnum" übernehmen Spielerinnen und Spieler die Rolle eines aufstrebenden Alchemisten in einer originell gestalteten Steampunk-Gesellschaft, in der die frühneuzeitliche "Wissenschaft" der Alchemie zu einer ausgefeilten Technologie geworden ist. Die hübsche Story ist aber nur schmückendes Beiwerk, denn Kern des Spiels ist die alchemistische "Transmutations-Engine", mit deren Hilfe jeweils bestimmte Aufgaben gelöst werden müssen. Ziel jedes Rätsels ist die Herstellung einer bestimmten chemischen Verbindung, und zwar durch wohlüberlegtes Konstruieren einer "Maschine", die die einzelnen Elemente transportiert, gruppiert und verarbeitet.

    Die Ausgangsmaterialien jedes Rätsels sind ebenso gegeben wie das gewünschte Endprodukt – wie man zu diesem kommt, ist allerdings der Fantasie und Findigkeit der Spielerinnen und Spieler überlassen. Auf dem Arbeitsfeld mit sechseckigen Feldern lassen sich Greifarme und mechanische Einzelteile nicht nur anordnen, sondern auch durch Anordnung simpler Befehle "programmieren", so dass schnell ineinandergreifende Abläufe und mal mehr, mal weniger effiziente Maschinen entstehen, die die Elemente nehmen, verändern, neu kombinieren und zum Ausgabeort transportieren.

    Viele Wege führen ans Ziel

    Was trocken klingt, erweist sich auch dank stimmungsvoller Präsentation und sich zu Beginn einsteigerfreundlich langsam steigernder Komplexität als absolut faszinierender Baukasten, in dem man stundenlang an der perfekten Lösung feilen kann. Besonders erfreulich dabei ist, dass "Opus Magnum" nicht die eine, einzig korrekte Lösung verlangt, sondern der Fantasie (oder auch: der Umständlichkeit) seiner Alchemisten keine Grenzen setzt.

    Gerade zu Beginn steht der Stolz über die nach vielen Versuchen endlich rund laufende, meist monströs umständliche Maschine im Vordergrund, doch dank Leaderboards und des Vergleichs mit den Lösungen anderer Spieler wächst der Ehrgeiz, möglichst große Effizienz zu erreichen: Vielleicht, so die Motivation, lässt sich der eine oder andere Arbeitsvorgang einsparen und die Maschine damit schneller und zugleich simpler machen. Das Endresultat jedes Projekts lässt sich per Tastendruck als animiertes GIF ausgeben und der staunenden Welt präsentieren.

    Diese Offenheit nimmt "Opus Magnum" jene gefürchtete Schwierigkeit, die Zachtronics-Spielen bislang eigen war: Man muss kein genialer Maschinenbauer mit Vorwissen im sequenziellen Programmieren sein, um mit der alchemistischen Sandbox seinen Spaß zu haben. Ein ebenfalls außerordentlich cleveres, separat spielbares Solitaire-Minispiel namens "Sigmar’s Garden" sorgt für Abwechslung, wenn der Kopf während eines besonders aufwendigen Puzzles mal zu rauchen beginnt.

    Fazit

    Zachtronics-Veteranen mögen die im Vergleich zu den Vorgängern etwas reduzierte Komplexität bemerken, doch Einsteiger und Rätselfreunde auf der Suche nach einem schier endlos faszinierenden Spielzeug, das die Erinnerung an Klassiker wie "The Incredible Machine" wiederaufkommen lässt, haben allen Grund zur Freude. Und "einfach" im klassischen Sinn ist auch "Opus Magnum" beileibe nicht – es versteht es nur, kaum Frustrationsmomente aufkommen zu lassen.

    "Opus Magnum" ist noch im Early Access, doch schon jetzt einwandfrei und fast endlos spielbar. Übrigens bieten auch bereits hunderte nutzergenerierte Puzzles Nachschub, wenn die Kampagne abgeschlossen ist. Vielleicht ist der faszinierende Alchemiebaukasten jenes Spiel, mit dem Zach Barth den Sprung vom Geheimtipp zum Massenmarkt schafft – er hätte es verdient. (Rainer Sigl, 4.11.2017)

    "Opus Magnum" ist im Early Access für Windows-PC, Mac und Linux erschienen. UVP: 19,99 Euro.

    Hinweis im Sinne der Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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    Opus Magnum

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