Doppelmord in Stiwoll: Sucheinsatz am Stadtrand von Graz

3. November 2017, 16:20
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Polizei durchkämmte nach einem Hinweis aus der Bevölkerung das Waldgebiet zwischen Thal und Plabutsch-Gipfel

Stiwoll/Thal bei Graz – Eine Suchaktion nach dem mutmaßlichen Todesschützen (66) von Stiwoll ist Freitagnachmittag am Stadtrand von Graz ergebnislos beendet worden, wie Polizeisprecher Markus Lamb sagte. Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung wurde der Wald am Plabutsch abgesucht. Am späten Nachmittag waren die meisten Kräfte wieder abgezogen. Am Samstag wird eines der Opfer in Stiwoll zu Grabe getragen.

Dem Hinweis einer Frau zufolge soll ein verdächtiger Mann mit Rucksack vor der Volksschule von Thal bei Graz gesehen worden sein, der sich dann in ein Waldstück begab. Daraufhin wurde die Suche aktiviert. Thal befindet sich rund sieben Kilometer östlich Stiwoll. Vom Grazer Stadtgebiet ist es durch den bewaldeten Höhenzug des Buchkogel-Plabutsch getrennt. Die Polizei richtete entlang der Thalerseestraße eine Postenkette ein. Gleichzeitig wurden mit Sturmgewehren bewaffnete Beamte vom Bereich der Aussichtswarte des Fürstenstands am Plabutsch (754 Meter) in einer Suchkette talwärts durch den Wald Richtung Thalerseestraße geschickt. Auch Polizeihunde standen im Einsatz, ein Hubschrauber der Exekutive überflog den Höhenzug mehrmals.

Am Samstag um 15.00 Uhr wird eines der Opfer des mutmaßlichen Todesschützen, ein 64-jähriger Nachbar des Mannes, am Friedhof von Stiwoll zu Grabe getragen. Das zweite Opfer, eine 55-Jährige Frau, soll am Dienstag beerdigt werden. In beiden Fällen war gebeten worden, von Blumengestecken oder Kränzen abzusehen und stattdessen an die Pfarrkirche Stiwoll bzw. für die örtliche Feuerwehr bzw. für den Musikverein zu spenden.

Die Suche nach dem seit Sonntag auf der Flucht befindlichen 66-Jährigen wird in den nächsten Tagen fortgesetzt, wenngleich auch eine Änderung der Taktik im Raum steht. Am Freitag waren Hunderte Polizisten und zwei Suchhubschrauber im Einsatz. (APA, 3.11.2017)

Chronologie

Nach mehreren Schüssen, die ein 66-Jähriger auf seine Nachbarn abgegeben hatte, kamen im steirischen Stiwoll zwei Menschen ums Leben, eine Frau wurde schwer verletzt. Der mutmaßliche Schütze ist seit Tagen auf der Flucht. Der Verdächtige Friedrich F. hatte davor seit Jahren bei Behörden und in seiner Nachbarschaft Unruhe gestiftet. Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse:

29. Oktober 2017 – Der 66-Jährige feuert auf seine Nachbarn. Eine 55-jährige Frau und ein 64-jähriger Mann werden in Stiwoll im Bezirk Graz-Umgebung von mehreren Projektilen tödlich getroffen. Eine 68-jährige Frau wird bei der Flucht vor den Schüssen am Oberarm getroffen und überlebt schwer verletzt. Beim Eintreffen der Polizei fehlt vom Verdächtigen jede Spur. Er ist in seinem Auto geflüchtet, vermutlich mit seiner Waffe. Eine Großfahndung wird eingeleitet.

30. Oktober 2017 – Das Fluchtfahrzeug des 66-Jährigen, ein weißer Kleinbus, wird in einem Wald in Södingberg wenige Kilometer vom Tatort entfernt vom Polizeihubschrauber entdeckt. Der Bus ist versperrt und leer. Vom Täter fehlt weiterhin jede Spur. Schulen und Kindergärten der Umgebung bleiben auch nach dem Wochenende geschlossen. Der Bevölkerung wird geraten, zu Hause zu bleiben und wachsam zu sein. Indessen geben die Staatsanwaltschaften in Graz und Leoben bekannt, dass gegen den Verdächtigen schon seit Jahren Anzeigen unter anderem wegen gefährlicher Drohung und nationalsozialistischer Wiederbetätigung vorlagen. Einem Gutachten zufolge sei der Mann jedoch nicht zurechnungsfähig. Da er aber auch als nicht gefährlich eingestuft wurde, konnte er bisher nicht in eine Anstalt eingewiesen werden.

31. Oktober 2017 – Der Verdächtige bleibt weiterhin verschollen. Die Polizei verstärkt ihre Kräfte ein weiteres Mal, eine Hundertschaft ist auf der Suche nach dem 66-Jährigen, durchkämmt Wälder in der Umgebung und durchsucht leer stehende Häuser. Sowohl in Oberösterreich als auch in Niederösterreich gibt es Zeugenaussagen, dass der Flüchtige gesehen wurde. Sie stellen sich aber als Fehlalarme heraus bzw. die Beamten können den Mann in diesen Gegenden nicht fassen.

1. November 2017 – Die Suche nach Friedrich F. wird fortgesetzt, die Allerheiligen-Prozession in Stiwoll wird aus Sicherheitsgründen abgesagt. Der Gottesdienst findet unter starkem Polizei-Aufgebot statt. Indessen durchsuchen Cobra-Einheiten ein Stollensystem eines alten Silberbergwerks, werden jedoch abermals nicht fündig. In Niederösterreich finden verstärkte Streifenfahrten statt.

2. November 2017 – Generalmajor Bernhard Treibenreif, Chef des Einsatzkommandos Cobra, vermutet, dass die Tat "nicht von langer Hand vorbereitet worden ist". Man gehe von einer sogenannten eruptiven Tat aus. Ein Polizist verletzt sich bei der Durchsuchung des Tatortes schwer, als er durch eine mit Heu bedeckte Luke stürzt. In einer Informationsveranstaltung in Stiwoll erhält die Bevölkerung Auskünfte aus erster Hand von Polizei und Behörden, was teils zur Entspannung der angespannten Situation im Ort beträgt.

3. November 2017 – Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung verlagert sich die Suche an den westlichen Stadtrand von Graz: Zeugen wollen einen verdächtigen Mann vor der Volksschule von Thal bei Graz gesehen haben. Daraufhin wird der bewaldete Plabutsch zwischen Thalerseestraße und dem Fürstenstand von einer Suchkette der Polizei mit Hubschrauberunterstützung durchkämmt, aber ohne Ergebnis.

  • Suche nach dem mutmaßlichen Schützen von Stiwoll.
    foto: der plankenauer

    Suche nach dem mutmaßlichen Schützen von Stiwoll.

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