"Mutter und der Bleistift": Lesen, Tod und Landleben

6. November 2017, 11:47
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Josef Winkler liest seinen Text selbst – eine schlechte Entscheidung des Verlags

Es ist ein Requiem, das der 1953 geborene Kärntner Josef Winkler 2013 mit Mutter und der Bleistift aufschrieb. Lesen, Schreiben, Tod, Landleben und quälendes Traktieren, andernorts "Erziehung" genannt, werden hier eine Einheit. Dazu kommt ein wortreiches Erinnerungsvermögen, um den autobiografischen Kosmos wie ein tiefkatholisches Atlantis aufsteigen zu lassen.

Mittlerweile formen sich ja die vielen Bücher Winklers zu einem einzigen, zusammenhängenden. Mehr als fatal war aber die Entscheidung des ansonsten so stilsicheren wie ambitionierten kleinen Verlags Der Diwan, Josef Winkler seinen Text selber einlesen zu lassen. Nicht nur, dass er keinerlei Stimme hat, die, weil zu dünn, über längere Zeit zu tragen versteht, er ist vokal auch untrainiert. Das Zuhören schmerzt.

Über die keineswegs kurzen, ausschwingenden Sätze mit teils mehrfachen Einschüben verliert selbst das Winkler zugeneigteste Publikum jeglichen akustischen Zusammenhang. Was angesichts nicht weniger sinnlicher Beschreibungen auch nicht wenig schmerzt. (Alexander Kluy, Album, 6.11.2017)

  • Josef Winkler, "Mutter und der Bleistift". € 18,50 / 201 Minuten. Verlag Der Diwan, Winterbach 2017
    foto: der diwan hörbuchverlag

    Josef Winkler, "Mutter und der Bleistift". € 18,50 / 201 Minuten. Verlag Der Diwan, Winterbach 2017

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