Ligavorstand: "Bundesligafußball bleibt weiter für jeden verfügbar"

    Interview3. November 2017, 06:00
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    Christian Ebenbauer über die Entscheidung für Pay-TV und die Suche nach Partnersendern. Ein Wiener Derby sähe er gern im Free-TV

    STANDARD: Wie schlimm waren die Proteste nach der Bundesliga-Entscheidung für Pay-TV?

    Ebenbauer: Bundesligafußball bleibt ja weiterhin für jeden verfügbar. Es wird zwar viel weniger Livespiele im Free-TV geben. Aber es wird eine Highlightshow im Free-TV geben, weiterhin Onlineclips von den Spielen, und die Klubs können Bilder von ihren Begegnungen bald danach auf ihren Kanälen zeigen.

    STANDARD: Was sagen die Sponsoren zu dem Deal? Oder wiegen die – nach STANDARD-Infos – 34 Millionen und ab 2022 die Perspektive auf 41 Millionen Euro pro Saison da alle Bedenken auf?

    Ebenbauer: Über konkrete Summen äußere ich mich nicht – eine Steigerung von über 40 Prozent ist jedenfalls ein Erfolg, insbesondere angesichts der Wettbewerbssituation am österreichischen Markt. Der Einfluss auf Sponsoreneinnahmen durch den Wegfall des Free-TV-Livespiels ist natürlich gegeben, kann aber durch mehrere Faktoren kompensiert werden. Zum einen liefert die Präsenz in Printmedien in Österreich bereits einen ebenso hohen Werbewert wie Free-TV. Zum anderen sollte es Entwicklung beim Werbewert im Pay-TV und bei der Highlightshow im Free-TV sowie durch das neue Ligenformat geben. Und es wird bei dem eingesetzten Geld im Interesse von Sky liegen, den österreichischen Fußball und die Bundesliga massiv zu promoten.

    STANDARD: Kritiker wenden ein: Stadien werden wesentlich von der öffentlichen Hand gefördert, aber die Spiele dort kann die Öffentlichkeit nur noch gegen extra Geld fernsehen.

    Ebenbauer: Fans müssen auch den Eintritt in diese Stadien zahlen. Und die Kritik gilt dann auch für Kulturinstitutionen – der ORF zeigt nicht jede Aufführung aus der Staatsoper und hat ein kostenpflichtiges Portal für Menschen, die mehr aus diesem Bereich sehen wollen. Die öffentliche Hand subventioniert Kultur weit höher als den Sport. Wir brauchen höhere Einnahmen aus der medialen Verwertung, um im internationalen Wettbewerb halbwegs Schritt halten zu können.

    STANDARD: Wenn wir schon bei den Kosten für Sky sind: Wird es mit den Rechten der Bundesliga ein eigenes, womöglich günstigeres Österreich-Paket geben?

    Ebenbauer: Die Leistbarkeit war eine unserer zentralen Fragen an Sky. Nach Angaben von Sky wird es Änderungen geben, die Details sind noch konzernintern abzuklären.

    STANDARD: Sky soll einem Free-TV-Sender die Rechte für eine Bundesliga-Highlightshow und vier Spiele weiterverkaufen. Haben Sie dafür einen Wunschpartner? Neben dem ORF sollen sich Servus TV und ProSiebenSat1Puls4 interessiert haben.

    Ebenbauer: Der ORF hat ein ein sehr gutes Angebot gemacht, über die anderen kann ich nichts sagen, das war in der Ausschreibung nicht Thema. Die Ausschreibung verlangt für die Highlightshow eine für die Bundesliga ausreichende Reichweite.

    STANDARD: Ein dehnbares Maß – gibt es eine Untergrenze?

    Ebenbauer: Der Begriff ist sehr weit gewählt, wir müssen Sky einen Spielraum lassen. Wir wollen aber gemeinsam versuchen, den besten Partner zu finden, um einerseits die Fans bestmöglich zu bedienen und andererseits die Interessen zu wahren.

    STANDARD: Vier Livespiele sollen im Free-TV laufen – wer bestimmt, welche das sind?

    Ebenbauer: Das Wichtigste ist hier, den Partner zu finden. Wahrscheinlich zum Saisonstart im Herbst und im Frühjahr wie in Deutschland, zudem je ein Spiel im Grunddurchgang und im Finaldurchgang. Es sollen Leuchtturmspiele wie beispielsweise ein Wiener Derby sein.

    STANDARD: Und wenn sich nun kein Free-TV-Partner findet?

    Ebenbauer: Damit ist nicht zu rechnen. Und alternativ hat Sky einen Free-TV-Kanal und für Österreich auch schon in den vergangenen Jahren mehrfach Angebote freigeschalten, etwa das Spiel Rapid gegen Monaco. Es gibt Onlineplattformen, und die Klubs können selbst ja auch Spiele zeigen – da bietet das digitale Zeitalter in jedem Fall Möglichkeiten.

    STANDARD: Je drei Spiele der Bundesliga soll es Samstag und Sonntag geben – wann sollen die jeweils beginnen?

    Ebenbauer: In der Ausschreibung gab es dafür zwei Szenarien, die Hauptspielzeit soll 17 Uhr sein und die Begegnungen frühestens 14.30 und spätestens 19 Uhr am Samstag beziehungsweise 17 Uhr am Sonntag beginnen. Es wird nicht sechs Einzeltermine geben. Das Ziel sind fixe Spielzeiten, frühzeitige Spielansetzungen und damit eine weit langfristigere Planbarkeit für die Fans.

    STANDARD: Im Meisterplayoff soll es künftig Freitagtermine geben?

    Ebenbauer: Grundsätzlich geht es auf Samstag/Sonntag. Im Finaldurchgang im Frühjahr gäbe es die Möglichkeit für Freitagtermine. Wir besprechen das noch.

    STANDARD: Gibt es Interessenten für die TV-Rechte an der 16er-Liga, der zweiten, semiprofessionellen Spielklasse? Da wünscht sich die Liga ja offenbar ein Livespiel pro Woche.

    Ebenbauer: Die Gespräche von ÖFB und Bundesliga mit allen Partnern beginnen jetzt. Bis Frühjahr wollen wir da klarer sehen. Wir haben gerade erst die Ausschreibung für die höchste Spielklasse entschieden.

    STANDARD: Sie haben den Grundsatzbeschluss der Klubkonferenz für Sky, wann soll der Vertrag unterschrieben sein?

    Ebenbauer: Wir wollen einen Kurzvertrag in den nächsten ein, zwei Wochen finalisieren, parallel spricht Sky mit unserer Unterstützung mit potenziellen Partnern. Mein Ziel ist, dass wir vor Weihnachten fertig sind. (Harald Fidler, 3.11.2017)

    Christian Ebenbauer (42) kam vom ORF 2006 zur Bundesliga, seit 2008 ist er dort Vorstand.

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      foto: apa/herbert neubauer

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