Von der Straße in den Orbit: Vor 60 Jahren fand Laikas Weltraumflug statt

    2. November 2017, 16:26
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    Am 3. November 1957 trat "Kläffer" die letzte Reise an: Sie war kurz, qualvoll und für die Raumfahrtgeschichte von zentraler Bedeutung

    foto: apa/afp/tass
    Als dieses Foto von Laika in der "Prawda" erschien, war die Hündin schon längst tot.

    Moskau – Vor 60 Jahren, am 3. November 1957, fand die berühmte letzte Reise der Hündin Laika statt. Schon zuvor hatten die Sowjetunion und die USA eine Reihe von Versuchstieren mit Raketen in suborbitale Höhen befördert – Laika war jedoch das erste Lebewesen, das in einer Raumkapsel in eine Erdumlaufbahn geschickt werden konnte: Ein Meilenstein der Raumfahrtgeschichte, auch wenn es für Laika eine Reise ohne Wiederkehr war.

    "Ich habe sie um Verzeihung gebeten, sie ein letztes Mal gestreichelt und dabei geweint", erinnert sich Adilja Kotowskaja. Die russische Biologin wusste genau, dass sie Laika nicht mehr lebend wiedersehen würde. Doch bis heute ist die 90-Jährige stolz darauf, die Hündin auf ihre für die Sowjetunion damals so wichtige Mission vorbereitet zu haben.

    Historischer Hintergrund

    Am 4. Oktober 1957 hatte die Sowjetunion den weltweit ersten künstlichen Satelliten Sputnik auf eine Erdumlaufbahn gebracht und damit den Erzrivalen USA geschockt. Nun ging Moskau einen Schritt weiter: Sputnik 2 sollte das erste Lebewesen in eine Erdumlaufbahn bringen – Laika.

    Rechtzeitig zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution wollte die Sowjetunion ihre technologische Überlegenheit gegenüber den USA demonstrieren und zugleich herausfinden, ob ein Lebewesen im Weltraum überleben kann.

    Von der Straße aufgelesen

    Hundefänger hatten Laika, was auf Russisch "Kläffer" bedeutet, auf Moskaus Straßen aufgelesen. Die gerade mal sechs Kilogramm schwere Streunerin entsprach genau den Anforderungen des Raumfahrtprogramms: Sie war genügsam, gelehrig, gefügig – und mit ihrem wachen Blick ausgesprochen fotogen.

    foto: apa/afp/tass
    Bei den vorbereitenden Tests schlug sich Laika – zu ihrem Unglück – hervorragend.

    Zudem überstand sie am besten das harte Trainingsprogramm, dem Kotowskaja alle Anwärter der Mission unterwarf: Unter anderem wurden sie in immer kleinere Käfige gesteckt, um sich an die Reise in der nur 80 Zentimeter großen Kapsel zu gewöhnen.

    Vier Tage vor den Revolutionsfeiern dann startete Laika ihre Reise ohne Wiederkehr – gefangen in der druckdichten Raumkapsel, gekleidet in einen Weltraumanzug mit feinen Sensoren, die Herzschlag, Blutdruck und Atem kontrollierten und ständig beobachtet von einer Kamera. Zu Tode erschrocken vom Getöse und der Vibration der Triebwerke, begann das Herz des kleinen Hundes drei Mal schneller als normalerweise zu rasen. Laika beruhigte sich erst ein wenig, als die Raumkapsel die Erdumlaufbahn erreicht hatte.

    Propaganda und Wirklichkeit

    Nach der neunten Erdumrundung stieg plötzlich die Temperatur innerhalb der Raumkapsel von 15 Grad Celsius auf 41 Grad, weil sie nur ungenügend vor der Sonneneinstrahlung geschützt war. Der Schock, die Hitze und die Erschöpfung waren zu viel für Laika – fünf Stunden nach dem Start gab sie kein Lebenszeichen mehr von sich. Der sowjetische Rundfunk "informierte" dennoch weiter täglich über Laikas Befinden, als wäre sie noch am Leben.

    In Wirklichkeit war die Raumkapsel längst zum Hightech-Sarg geworden und kreiste noch monatelang, bis zum 14. August 1958, im All. Dann verglühte sie beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

    foto: apa/afp/mladen antonov
    Nachbau von Sputnik 2 mit einem Bildnis von Laika.

    Über Jahrzehnte hielt sich die offizielle Version von Laikas Schicksal, nach der sie ihre Mission wie geplant nach über einer Woche beendete und friedlich nach einem mit starkem Gift versetzten letzten Mahl starb. Zwar gab es Gerüchte, wonach Laika in der Kapsel schlicht die Luft ausgegangen sei, die Wahrheit kam aber erst 2002 während einer Konferenz in den USA durch einen an der Mission beteiligten russischen Wissenschafter ans Licht.

    Weg frei für den Menschen

    Trotz der Probleme gewannen sowjetische Wissenschafter genug Erkenntnisse, um weitere Hunde ins All zu schicken und sie heil zurückzuholen. Dies ebnete letztlich den Weg für bemannte Missionen, russische und amerikanische. Am 12. April 1961 reiste der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall und kehrte von dort auch zurück.

    Laika selbst erreichte durch ihre Reise Legendenstatus: Die Hündin wurde zur Protagonistin von Romanen, Comics und Pop-Songs, mindestens zwei Bands und ein Verlag haben sich nach ihr benannt und im Kosmonautentrainingscenter Star City nahe Moskau wurde ihr zu Ehren eine Statue errichtet. (APA, red, 2. 11. 2017)

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