Die zwei Seiten von Sammlermünzen

4. November 2017, 12:00
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Sammlermünzen werden im Internet oft stark preisreduziert angeboten: Konsumentenschützer orten meist kein gutes Investment

Wien – Beeindruckend wirken sie allemal – so manche Angebote, die im Internet Münzsammlern offeriert werden. Als Beispiel dafür kann etwa "Österreichs erste Silbernote 2017" herhalten, die im Internet vom IMM Münz Institut um knapp 30 Euro angeboten wird. Laut Beschreibung handelt es sich dabei um "reines Silber im großflächigen Geldscheinformat", das "mit bahnbrechender 3D-Prägetechnik" erzeugt worden sei.

Das Haar in der Suppe ortet dabei Finanzexperte Bernd Lausegger vom Verein für Konsumenteninformation (VKI): Ihm zufolge beinhaltet das Produkt nämlich bloß drei Gramm Silber im Wert von derzeit rund 1,50 Euro – sprich: "Der Edelmetallwert ist vernachlässigbar."

Sammlermünzen und ähnliche Objekte hält Lausegger grundsätzlich für "eine sehr spezielle Geschichte", denn: "Da muss man Liebhaber sein und sich intensiv damit beschäftigen." Der Preis von Sammlermünzen werde nämlich weniger durch den Materialwert, sondern nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt, und dabei gehe es nur um Künstlerisches. "Es ist ein Sammlerbereich, und der ist hochgradig spekulativ."

Händler vor Ort

Wer sich dennoch auf das Terrain der Sammlermünzen begeben will, der sollte sich besser bei einem Händler vor Ort denn im Internet informieren, ergänzt Lausegger. Dieser könne Interessierten das Thema besser näherbringen und vor allem auch Hinweise für die geeignete Pflege – bereits kleine Kratzer oder andere Beschädigungen können den Wert von Sammlerobjekten deutlich senken – sowie die sichere Verwahrung in Safes oder Schließfächern geben.

Wer eigentlich in Edelmetalle investieren will, dem legt der VKI-Experte Bullionmünzen wie den Wiener Philharmoniker – mittlerweile erhältlich in Gold, Silber und Platin – ans Herz. In der Regel entspreche der Verkaufspreis dem Metallgehalt zuzüglich Herstellungskosten. Als Alternative betrachtet Lausegger auch Investitionen in sogenannte börsengehandelte Exchange Tradet Funds (ETF) auf Gold oder Silber. Anleger sollten dabei jedoch stets darauf achten, dass die Edelmetalle bei einem ETF auch tatsächlich physisch hinterlegt worden sind, betont Lausegger.

Auch einem anderen Angebot, nämlich "25 Schilling Silbermünzen" zum Preis von knapp 25 Euro pro Stück, steht Lausegger skeptisch gegenüber. Über den Metallwert kann er zwar keine Angaben machen, verweist aber einerseits darauf, dass es sich auch bei diesem Exemplar um kein gesetzliches Zahlungsmittel handelt. Zudem macht den Verbraucherschützer die im Internet ausgeschilderte Preisreduktion – 24,90 statt 54,90 Euro, also ein vermeintliches Schnäppchen – stutzig: "Das ist meistens reine Bauernfängerei."

Vorsicht vor Abo-Falle

Zudem rät Lausegger generell dazu, solche Angeboten sehr genau zu studieren, bevor man einen Kauf abschließt. Denn, warnt der VKI-Experte, oftmals würden sich dahinter eigentlich Abonnements verstecken.

Sollten Konsumenten, die bereits solche Sammlermünzen oder ähnliche Objekte in ihrem Besitz haben, diese wieder versilbern wollen, müssen sie damit rechnen, dass Händler solche Objekte in der Regel nur zu einem Preis zurücknehmen, der "gnadenlos" unter dem eigentlichen Wert liegt. "Denn er will ja beim Wiederverkauf auch etwas daran verdienen", erklärt Lausegger. (Alexander Hahn, 4.11.2017)

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    Philharmoniker sind bereits ein Klassiker: seit dem Vorjahr auch in Platin erhältlich ist

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