Märkte fürchten eine Staatspleite Venezuelas

    3. November 2017, 06:58
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    Das krisengeschüttelte Land hat eine Neuordnung seiner Auslandsschulden angekündigt. An den Finanzmärkten lösen die Pläne Rätselraten aus

    Caracas – Das krisengeschüttelte Venezuela hat eine Neuordnung seiner Auslandsschulden angekündigt und riskiert damit eine Staatspleite. Er habe eine Refinanzierung und Umstrukturierung der Auslandsschulden angeordnet, um den Bedürfnissen der unter Versorgungsengpässen leidenden Bevölkerung gerecht zu werden, sagte Präsident Nicolás Maduro erklärte am Donnerstag.

    Wie er sich das konkret vorstellt, erklärte Maduro nicht. Unter Verweis auf die US-Sanktionen sprach er von einem "Kampf gegen die finanzielle Schikanierung" des Landes. Zuvor werde Venezuela eine noch diese Woche fällig werdende Anleihezahlung des staatlichen Ölkonzerns PDVSA über 1,1 Milliarden Dollar leisten. Maduros Restrukturierungspläne könnten Experten zufolge die schwerste Schuldenkrise in Südamerika seit der Staatspleite Argentiniens 2001 auslösen.

    Rätselraten und Sorgen

    Am Finanzmarkt löste Maduros Ankündigung Rätselraten und Sorgen aus. Ohne Kommunikationsstrategie und ohne Plan sei eine Umstrukturierung der Schulden unmöglich, sagte Asdrubal Oliveros vom Analysehaus Ecoanalitica. Sollte die Regierung einseitig eine Umstrukturierung nach dem Motto "Mach mit oder lass es" verkünden, würde das einem Zahlungsausfall gleichkommen.

    In Venezuela tobt seit der Parlamentswahl 2015 ein Machtkampf zwischen der linken Regierung und der Opposition. Die USA werfen Maduro Korruption und den Aufbau einer Diktatur vor und haben deswegen Sanktionen verhängt, die auch die Finanzströme des Landes beeinträchtigen. Das Opec-Land leidet unter dem relativ niedrigen Ölpreis und einer Wirtschaftskrise mit hoher Inflation sowie unter Engpässen bei Nahrungsmitteln und Medikamenten.

    100.000-Bolivar-Banknote vorgestellt

    Im Kampf gegen die höchste Inflation der Welt will Maduro nun erstmals Geldscheine im Wert von 100.000 Bolivar drucken lassen. Er stellte am Mittwoch eine riesige Kopie der neuen Banknote vor. Vor einem Jahr war der größte Schein in Venezuela noch der 100er, der aber damals schon praktisch nichts mehr wert war. Nach dem Schwarzmarktkurs ist der neue 100.000er-Schein gerade einmal zwei Euro wert.

    Maduro hat auch den monatlichen Mindestlohn um 30 Prozent auf 177.507 Bolivar angehoben, was auf dem Schwarzmarkt etwa 4,30 Dollar entspricht. (APA, Reuters, red, 3.11.2017)

    • Großer Schein, kleiner Wert: Venezuela kämpft mit der welthöchsten Inflation und seinen Auslandsschulden.
      foto: reuters/handout

      Großer Schein, kleiner Wert: Venezuela kämpft mit der welthöchsten Inflation und seinen Auslandsschulden.

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