Langlauf-Olympiasieger Legkow lebenslang von Spielen ausgeschlossen

1. November 2017, 18:11
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Russe hatte in Sotschi Gold über 50 km gewonnen – Es liegt keine positive Dopingprobe vor, Berufung vor CAS angekündigt

Sotschi/Lausanne – Der russische Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow und sein Landsmann Jewgenij Below sind vom IOC wegen Dopings bei den Winterspielen 2014 in Sotschi lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen worden. Das teilte das Internationale Olympische Komitee am Mittwoch mit.

Die Entscheidung fiel nach einer ersten Anhörung der sechs seit Dezember 2016 vom Weltverband FIS suspendierten russischen Athleten durch die vom IOC eingesetzte Oswald-Kommission. Die Experten unter dem Vorsitz des Schweizers Denis Oswald hatten die 28 offenen Fälle aus Sotschi untersucht und soll klären, auf welche Weise gedopt wurde und mit welchen Methoden Dopingproben manipuliert wurden.

Hinweise auf manipulierte Proben

Legkow und Below sind damit die ersten zwei russischen Athleten, die wegen Verstößen gegen die Anti-Dopingbestimmungen in Sotschi sanktioniert wurden. Nach einem Wada-Bericht über systematisches und staatlich gebilligtes Doping in Russland hatte das IOC Urinproben von Sotschi neu untersuchen lassen. Legkow und Below beteuerten stets ihre Unschuld, es seien "nur deswegen Ermittlungen eingeleitet wurden, weil sich an den Probenflaschen angeblich Spuren befinden, die auf deren Öffnung hinweisen". Legkows und Belows Proben wiesen laut Angaben des deutschen Anwalts der Sportler, Christof Wieschemann, jedoch keine Auffälligkeiten auf.

Berufung

"Die Athleten werden spätestens morgen beim Internationalen Sportgericht (CAS) Berufung einlegen", kündigte Wieschemann an und nannte das Urteil "skandalös".

"Mit der Entscheidung geht das IOC ohne weitere Ermittlungen und ohne weitere Beweise weit über die Angaben des McLaren-Reports hinaus und stellt sich gegen die bereits vorliegenden Entscheidung des CAS in gleicher Sache", hieß es in einer Mitteilung.

"Eine Sperre für die regulären Wettbewerbe der FIS ist mit dem Auschluss nicht verbunden", stellte der Anwalt fest – allerdings sind die beiden Langläufer seit dem 22. Dezember 2016 auch vom Skiweltverband vorläufig gesperrt. Die FIS hatte die Suspendierung ausgesprochen, nachdem das IOC nach Erkenntnissen aus dem McLaren-Bericht ein Disziplinarverfahren gegen insgesamt 28 russische Sotschi-Teilnehmer eingeleitet hatte.

Vorgangsweise der Betrüger noch nicht geklärt

Der 34-jährige Legkow und sein Below standen schon seit geraumer Zeit im Verdacht, vom russischen Staatsdoping profitiert zu haben. Ihre Urinproben könnten im Kontrolllabor manipuliert worden sein, hatte ein Bericht des Ermittlers Richard McLaren im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur ergeben. Die Oswald-Kommission des IOC versucht mit kriminaltechnischen Methoden zu klären, auf welche Art und Weise russische Sportler bei den Winterspielen 2014 in Sotschi betrogen haben könnten. Es gibt Forderungen an das IOC, das russische Team komplett von den Spielen vom 9. bis 25. Februar 2018 in Südkorea auszuschließen.

Der 34-jährige Legkow hatte neben Gold über die 50 Kilometer auch hinter Schweden Silber mit der Staffel gewonnen, beide verliert er nun. Frankreichs und Norwegens Staffel rücken demnach auf die Plätze zwei und drei vor. Legkow sagte nach der Anhörung am Montag vor der IOC-Disziplinarkommission der Agentur R-Sport: "Wenn es nötig sein wird, werde ich ganzes Leben lang beweisen, dass ich unschuldig bin." Below hatte in Sotschi keine Medaille gewonnen.

Entscheidung über Russlands Teilnahme 2018 im Dezember

Die Entscheidung über eine generelle Teilnahme russischer Sportler in Pyeongchang wird aller Voraussicht nach im Dezember fallen. Bis dahin sollen die zwei IOC-Kommissionen, die sich derzeit mit dem russischen Dopingskandal befassen, ihre Ergebnisse vorgelegt haben. (APA, Reuters, sid, 1.11.2017)

  • Alexander Legkow muss seine beiden in Sotschi gewonnenen Medaillen an das IOC retournieren.
    foto: reuters/nicholson

    Alexander Legkow muss seine beiden in Sotschi gewonnenen Medaillen an das IOC retournieren.

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