Grafik: Wo der Bestattungsmarkt tot ist

    1. November 2017, 09:00
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    Im bevölkerungsärmsten Bundesland gibt es die wenigsten Bestatter, gefolgt vom bevölkerungsreichsten. Das hat historische Gründe

    Wer einen Bestatter braucht, ist meist in einer emotionalen Ausnahmesituation. Außerdem nimmt man die Dienste des Totengräbers (hoffentlich) sehr selten in Anspruch. Niedrige Frequenz und hohe Preistoleranz sind für sich schon eine gute Voraussetzungen, um einen lebhaften Wettbewerb auszubremsen.

    In Österreich kommen aber föderale Nachwehen hinzu. Bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts durften Gemeinden Bedarfsnachweise formulieren und dadurch die Anzahl der lokalen Bestatter dekretieren. Die Stadt Wien entschied sich seinerzeit für einen einzigen Anbieter, die hauseigene Bestattung Wien.

    Die EU kippte das Monopol der Bestattung Wien im Jahr 2002. Ein Blick in die Bundesländer zeigt jedoch, dass einmal festgefahrene Marktstrukturen schwer umzubringen sind. Laut Mitgliederliste ihres Fachverbandes in der Wirtschaftskammer sind in Wien 22 Bestatter tätig. Nur in Vorarlberg gibt es mit 17 Einträgen weniger. Insgesamt gibt es rund 580 Bestatter in Österreich.

    Auf die Einwohnerzahl berechnet wird die Schieflage sofort ersichtlich. Im Burgenland kommen auf 100.000 Einwohner mehr als 20 Bestatter. In Oberösterreich und Niederösterreich sind es jeweils rund zehn. In Wien kommt auf 100.000 Personen lediglich ein Betrieb – für den Platzhirsch ein gutes Geschäft. (slp, 1.11.2017)

    • 580 Bestatter gibt es in Österreich. In Wien lediglich 22.
      foto: apa / barbara gindl

      580 Bestatter gibt es in Österreich. In Wien lediglich 22.

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