DM-Abfuhr: Unternehmen schützen, Konsumenten schröpfen

Blog1. November 2017, 14:00
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Das Verkaufsverbot für rezeptfreie Arzneien zeigt, dass Österreich nichts vom mündigen Konsumenten hält

Der Aufschrei war groß, als die Drogeriemarktkette DM den geplanten Einstieg in den Verkauf von rezeptfreien Medikamenten bekanntgab. Seit kurzem ist der Vorstoß Geschichte. Der Verfassungsgerichtshof hat eine Beschwerde von DM gegen ein Verkaufsverbot abgewiesen.

Die Entscheidung zeigt eindrucksvoll, dass in Österreich der Schutz der Anbieter großgeschrieben wird. Es geht meist nicht um den Konsumenten, sondern um die Abschottung vor Konkurrenz. Das erinnert frappant an die Gewerbeordnung. Laut der geht von der Zunft des Buchbinders oder Gärtners so große Gefahr für Leib und Leben aus, dass die Berufe ebenso wie 73 andere auch nach der "Reform" des Regelwerks streng reglementiert bleiben.

Abschottung Freier Berufe

Neben den Apothekern, die sich über die DM-Niederlage freuen, werden auch zahlreiche andere freie Berufe gut behütet. Die EU beanstandet regelmäßig die Abschottung von Architekten, Notaren, Anwälten und Ärzten.

Brüssel stößt sich nicht per se an Zugangshürden, sondern an Honorarordnungen, Sitzerfordernissen und Beteiligungsverboten. Mit derartigen Sondervorschriften schaffen es die jeweiligen Interessenvertretungen im Wechselspiel mit dem Gesetzgeber bestens, den Mitbewerb auf Distanz zu halten. Unter dem Deckmantel der Qualität wird somit eine Wohlfühloase für verschiedene Berufsgruppen verteidigt.

Dürftige Einkommensentwicklung

Bezahlt wird die Überreglementierung vom Verbraucher. Das ohnehin vergleichsweise hohe Preisniveau stiegt in Österreich seit Jahren regelmäßig deutlich stärker als der EU-Schnitt. Die Teuerung ist wiederum mitverantwortlich für die äußerst dünnen Realeinkommensteigerungen, die seit Jahrzehnten zu beklagen sind.

Gleichzeitig wird der Bürger mit derlei Hürden entmündigt. Anstatt ihn entscheiden zu lassen, ob er Aspirin in der Apotheke oder im Drogeriemarkt kaufen will, nimmt ihm der Staat die Entscheidung ab. Das stärkt die Vollkaskomentalität und schwächt die Eigenverantwortung.

Die Abschottung ist unter dem Strich schädlich. Der Schutz der Etablierten geht zulasten von Neugründungen und Konsumenten, die geschröpft werden. Sie zahlen nicht nur in der Apotheke Apothekerpreise. (Andreas Schnauder, 1.11.2017)

  • Apotheken bleiben auch bei rezeptfreien Medikamenten Quasi-Monopolisten.
    foto: apa/barbara gindl

    Apotheken bleiben auch bei rezeptfreien Medikamenten Quasi-Monopolisten.

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