Mit Schäferhunden auf Gepardensuche

1. November 2017, 12:00
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Geparden gehören zu den besonders stark bedrohten Arten. Genaue Schätzungen der Bestandszahlen fehlten bis jetzt, Schäferhunde können jetzt helfen

Mfuwe/Wien – Sie sind so schnell wie kein anderes Landsäugetier, und sie verschwinden so schnell aus der freien Wildbahn wie kaum eine andere bedrohte Tierart: Geparden. In Afrika ist ihr Bestand laut Weltnaturschutzunion auf weniger als 10.000 zusammengeschrumpft, Asiens einzige verbliebene Population im Iran umfasst nur noch etwa 60 Tiere.

Einst lebten Geparden in den meisten Gegenden Afrikas abseits des Kongobeckens. Um 1900 gab es die gefleckten Raubkatzen auch noch in elf heutigen Staaten Asiens, vor allem auf der Arabischen Halbinsel und im Mittleren Osten, in Indien bis in die 1940er-Jahre.

Schätzungen mit Unsicherheiten

Hinter den heutigen Gepardenbeständen stehen aber große Fragezeichen: Die letzten fundierten Schätzungen von weltweit 9000 bis 12.000 Individuen stammen aus den 1990er-Jahren.

foto: tobi 87 cc by 2,5
So leicht sind Geparden im Normalfall nicht zu erspähen. Deshalb werden nun Suchhunde eingesetzt.

Herkömmliche Methoden, Gepardenpopulationen zu ermitteln, scheitern häufig da, wo Feldforschung extrem aufwendig ist und die Art sich ohnehin rar macht. Ein internationales Forscherteam um den US-Biologen Matthew Becker hat nun in Sambia gezeigt, wie man ohne Feldstecher, Fotofalle und Fahrt durchs Gelände die Bestände des scheuen Savannen- und Steppenjägers ermittelt: zu Fuß mit Suchhunden.

Zwei Gruppen gehen auf Suche

Das elfköpfige Team der Artenschutzorganisation Zambian Carnivore Programme mit Sitz in Mfuwe (Sambia) hat im Westen des Landes an der Grenze zu Angola mit einer Schäferhundeart Gepardenbestände ermittelt, die ohne die Spürhunde nicht nachzuweisen waren.

Für ihre Studie im "Journal of Zoology" trainierten die Wissenschafter zwei Malinois (eine Varietät des Belgischen Schäferhundes) auf den Geruch von Gepardenkot. In zwei Gruppen gingen die Forscher die festgelegten Wegstrecken rund um den Liuwa-Plain-Nationalpark in Planquadraten ab: Zuerst war ein zweiköpfiges Team ohne Hund unterwegs und fand weder Kot, Haar, Tatzenabdrücke noch sonst eine Spur.

foto: diveofficer cc by 2.0
Speziell trainierte Belgische Schäferhunde begaben sich erfolgreich auf Spurensuche.

Keine einzige Sichtung

Die beiden hinterherlaufenden Hundeteams hingegen entdeckten dank der beiden Vierbeiner an 32 Orten Gepardenkot. Die Funde wurden später genetisch untersucht, um Schlüsse auf die Populationsdichte der Geparden zu ziehen. Sieben männliche und zwölf weibliche Geparden wurden so in dem 2432 Quadratkilometer großen Gebiet nachgewiesen. Tatsächlich gesehen wurde aber kein einziges Tier.

Die Geparden nutzten nicht nur den Liuwa-Plain-Nationalpark, sondern auch ungeschützte Zonen an der Grenze zu Angola. Die ermittelte Populationsdichte von etwa sieben Tieren auf 1000 Quadratkilometern – der zweieinhalbfachen Fläche von Wien – entspricht der Norm. Nur auf Farmland oder dort, wo sich Gazellenherden konzentrieren, tummeln sich mehr Geparden.

Jenseits der Schutzgebiete

Etwa zwei Drittel der raren Katzen leben afrikaweit außerhalb von Schutzgebieten, vielfach in Ländern, deren Wildnis zoologisch ein großer weißer Fleck auf der Karte ist, seien es der Osten Angolas, der Südsudan oder weite Teile Äthiopiens oder des Tschad. Wenige Tiere verteilen sich auf riesigen Flächen – für Feldforscher eine Suche nach Nadeln im Heuhaufen.

Entsprechend liegen zu rund 40 Prozent der historischen Verbreitungsgebiete von Geparden keine verlässlichen Daten vor, ob die Raubkatzen dort noch vorkommen.

Die Ergebnisse der Studie geben Hoffnung, dass es um die Gepardenbestände in Teilen Afrikas besser bestellt ist als befürchtet. Sie bestätigen aber auch, wie überlebenswichtig Gebiete außerhalb Nationalparks für die Geparden sind. (Kai Althoetmar, 1.11.2017)

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