Risikobereitschaft ist in der Persönlichkeit verwurzelt

    30. Oktober 2017, 12:03
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    Befragungen und Verhaltensexperimente mit 1.500 Probanden hinterfragen bisherige Untersuchungen

    Basel – Auch wenn die menschliche Risikofreude je nach Situation schwankt, die Grundeinstellung zu Risiken dürfte ein stabiles psychologisches Merkmal sein, etwa vergleichbar mit dem Intelligenzquotient. Zu diesem Schluss kamen nun Basler Forscher zusammen mit deutschen Kollegen.

    "Zwar gehen viele Forschende davon aus, dass es eine Risikodisposition gibt, aber wir haben den Nachweis dafür mit einer deutlich größeren Anzahl von Probanden und Messmethoden erbracht als frühere Studien", erklärte Jörg Rieskamp von der Uni Basel. Im Rahmen der vom Schweizerischen Nationalfonds SNF unterstützten Studie befragten und testeten die Forscher um Rieskamp über 1.500 Probanden.

    Mehrfache Tests

    Die Wissenschafter befragten die Teilnehmenden zum einen über ihr Risikoverhalten in hypothetischen Szenarien sowie ihr Verhalten im Alltag. Zum anderen ließen sie Verhaltensexperimente durchführen, wie die Schweizer Forscher gemeinsam mit Experten vom Max-Planck-Institut (MPI) für Bildungsforschung in Berlin am Montag mitteilten. Insgesamt absolvierten die Probanden 39 Tests.

    Nach sechs Monaten wiederholten die Wissenschafter die Untersuchung mit 109 der Teilnehmenden, um festzustellen, wie stabil die Ergebnisse über die Zeit waren. "Mit statistischen Methoden konnten wir nachweisen, dass es einen übergreifenden Faktor der Risikobereitschaft gibt, der einen großen Teil des individuellen Verhaltens erklärt", so Rieskamp. "Zusätzlich gibt es aber je nach Situation Schwankungen."

    Unzuverlässige Verhaltenstests

    Die Untersuchung förderte zudem eine Schwachstelle von Verhaltenstests zutage, die von vielen Verhaltensökonominnen und Psychologen meist als zuverlässiger betrachtet werden als Selbstauskünfte. Bei solchen Tests geht es beispielsweise darum, durch risikofreudige Spieleinsätze einen finanziellen Gewinn zu maximieren, oder sich mit einem kleineren Gewinn zu begnügen, den man aber mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit erhält.

    "Viele argumentieren, in den Tests beobachte man tatsächliches Verhalten", so Rieskamp. "Unsere Studie mit vielen verschiedenen Tests hat aber gezeigt, dass sie je nach Versuchsaufbau zu völlig gegensätzlichen Ergebnissen kommen können. Die gleiche Person wird je nach Test als risikoscheu oder als risikofreudig eingestuft." Die Selbstauskunft zum Verhalten im Alltag und zu theoretischen Szenarien lieferten in der neuen Studie hingegen ein konsistenteres Bild.

    "Unsere Arbeiten sind ein Weckruf, die verschiedenen Messtraditionen zu hinterfragen und insbesondere besser zu verstehen, was genau die Verhaltenstests eigentlich messen", sagte Studienautor Ralph Hertwig vom MPI. "Sie scheinen jedenfalls keine situationsübergreifende Risikopräferenz zu erfassen." Die Entdeckung, dass es eine solche gibt, erlaube nun auch, die biologischen Grundlagen von Risikobereitschaft zu untersuchen, wie die Forscher in den Fachjournalen "Science Advances" und "Nature Human Behaviour" schreiben. (APA, red, 30.10.2017)

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