Das Bildnis der Gabi Husar

    Porträt mit Video30. Oktober 2017, 09:32
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    Gabi Husar war in den 1980er-Jahren eine Hauptattraktion der an Attraktionen reichen Rallyeszene in Österreich. Mit fahrerischer Konsequenz gelang der Niederösterreicherin bis heute Unerreichtes

    "Man macht sich ja oft ein ganz anderes Bild von sich selber", sagt Gabriele Husar-Niederecker, angesprochen auf die Feststellung eines renommierten Motorsportjournalisten, der eine liebenswerte junge Frau namens Gabi Husar kennengelernt haben wollte, die als "grandiose Pilotin" im Rallyeauto "zum Tier" geworden wäre. "Entfesselt, hemmungslos, rücksichtslos, auch sich selbst gegenüber" sei sie gefahren.

    Sicher, sagt Gabi Husar mit dem Abstand etlicher Jahre, "man gibt Gas oder eben nicht", weshalb sie mit Einladungen zu Oldtimer-Rallyes weniger anzufangen weiß. "Diese Regelmäßigkeitsprüfungen, das kann ich gar nicht." Daran, dass sie sich im Auto groß verändert habe, kann sich Gabi Husar aber nicht erinnern.

    Der renommierte Motorsportjournalist ist aber trotzdem immer noch ein guter Freund, er war der einzige Mann, der der Rallyepilotin Gabi Husar jemals auf den Beifahrersitz kam – eine Auszeichnung, schließlich ist sie bis heute die einzige Frau, die einen Lauf zur österreichischen Meisterschaft gewann. Ende September 1986 war das, Varta-Rallye vulgo Karawankenrallye hieß die Veranstaltung in Kärnten. Der Sieg gelang mit Beifahrerin Elisabeth Fekonja in einem Porsche 911 SC. Gabi Husar war damals auf dem Höhepunkt ihrer Popularität in einer Szene, die noch nicht ihrem Niedergang entgegensah.

    Autowerkstatt, Sportgeschäft und eine Freundschaft

    Der Weg in Richtung dieses Höhepunktes war insofern vorgezeichnet, als Vater Sigmund in Baden bei Wien eine Autowerkstatt betrieb. Mutter Hildegard schupfte in Bad Vöslau das familieneigene Sportgeschäft. Gabriele, das mittlere der drei Husar-Kinder, absolvierte eine höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe, eine "Knödelakademie", wie sie sagt, half im Sportgeschäft aus und fuhr recht erfolgreich Skirennen. "Ich war Landesmeisterin im Slalom." Ebenfalls über die Landesgrenzen hinaus war der Niederösterreicher Franz Wittmann auf Ski erfolgreich, "er kam immer in einem aufgemotzten VW zu den Rennen, alle haben geschwärmt." Mit Wittmann verbindet Husar eine bis heute anhaltende Freundschaft. Dem späteren elfmaligen Rallye-Staatsmeister eiferte sie nach, zunächst in einem Fiat 124 aus der Werkstatt des Vaters – einem eher lahmen Gerät.

    Husars Talent ließ sich aber nicht verbergen. Und als Frau in einer von Männern völlig dominierten Szene, als Frau, die noch dazu stets Beifahrerinnen wählte ("In vielerlei Hinsicht praktischer, weil man im Auto doch eng beisammen ist"), erregte sie viel Aufmerksamkeit. Der damals schon arrivierte Rudi Stohl legte die Rutsche zu Importeur ÖAF-Gräf & Stift, zu einem konkurrenzfähigeren Lada. Gabi Husar lernte als Co-Pilotin von Wittmann und Stohl, fuhr selbst beachtliche Erfolge heraus – bis 1980, bis sie von Harald Gottlieb, einer vor allem als Beifahrer erfolgreichen Szenegröße, ein Kind erwartete. Im Frühjahr 1981, Tochter Irene war schon da, ließ sich Husar zur Teilnahme an der Saalbach-Rallye überreden – in einem Sunbeam-Talbot, "ein Frontkratzer", wie sie Autos mit Frontantrieb missbilligend nennt.

    Porsche 911 SC

    "Gleich Feuer und Flamme" war sie allerdings, als ihr Max Ogrisek, Mechaniker bei Audi Deutschland und Wittmann, einen Porsche 911 SC anbot. Fortan war sie eine fixe nationale Größe, wenn auch nicht eine Siegfahrerin. "Es gab Wittmann, es gab Georg Fischer, und es gab Wilfried Wiedner, wenn einer der beiden Probleme hatte." Aber Husar lauerte und sorgte für Begeisterung in der oft nach Zehntausenden zählenden Zuschauermenge bei nationalen Meisterschaftsläufen. "Die Leute haben uns regelrecht getragen."

    Die Kosten trugen Sponsoren, "ich konnte mir den Sport immer finanzieren". Einmal sogar sehr bequem, als der italienische Herrenduft Pino Silvestre, der ihr so gar nicht in die Nase gehen wollte, mit Husar beworben wurde. Der Flakon in Pinienzapfenform war grün, "unser Auto war grün, unsere Overals, alles war grün".

    Mit weniger spektakulärem Branding gelang 1986 der Triumph in Kärnten. Gabi Husar hatte in Sissi Fekonja eine einheimische Kopilotin, Wittmann war nicht am Start, Fischer war der Favorit, "aber wir haben von Beginn an Druck gemacht", sagt Husar. Bis zum Schluss spannend sei das Rennen gewesen, es fiel Nebel ein, "aber wir hatten einen guten Nebelschrieb".

    Husar meint das Heft mit Aufzeichnungen über die Wertungsprüfungen, das während Erkundungsfahrten erstellt und während des Rennens von der Beifahrerin verlesen wird. Husar/Fekonja nützten im nämlichen Fall an Bäumen angebrachte, reflektierende Markierungen, "zumeist waren dort die Bremspunkte". Der Sieg gelang dank Husars Risikobereitschaft im Blindflug.

    Unfälle

    Schon im Jahr darauf zwang sie eine Reglementänderung aus dem Porsche. Nach mehreren schweren Unfällen mit sogenannten Gruppe-B-Fahrzeugen – 1986 verbrannten der Finne Henri Toivonen und dessen Beifahrer bei der Korsika-Rallye in einem Lancia Delta – wurden Autos auch wegen zu kleiner Innenräume nicht mehr homologiert. Husar wurde von Porsche Salzburg ein Golf angeboten. "Aber ich wollte nicht. Mein Kind kam in die Schule, ich dachte, 'jetzt musst du ernst werden'." 1998 startete sie in einem Golf bei der OMV-Rallye – und überschlug sich auf der ersten Sonderprüfung. "Es war eben so, wenn ich einen Unfall hatte, war das Auto ein Totalschaden." Schwerer verletzt hat sich Husar nie, auch nicht, als sie sich einmal "eine hundertjährige Eiche mittig gegeben" hat, wie sie sagt.

    Vielleicht sind es solche Geschichten, die ihren Ehemann, einen Mediziner, dem sie daheim in Berndorf die Ordination führt, ungern am Beifahrersitz ihres Volvo V40 Cross Country Platz nehmen lassen. Gabi Husar gibt zu, dass ihr das Rennfahren zuweilen fehlt. Da wäre zwar ein Fiat 2300 S Coupé, noch aus Vaters Garage, den man herrichten könnte. Die im Auto völlig veränderte Gabi Husar gab es aber nie, wird es nie geben. Nur, man macht sich oft ein anderes Bild von sich selbst. (Sigi Lützow, 30.10.2017)

    • craterinspection

      Jänner-Rallye 1982: Gabi Husar ab etwa Minute 17 im Einsatz.

    • 240 PS, 240 km/h Spitze – der schmucke Porsche 911 SC war das Auto, in dem Gabi Husar ihre größten Erfolge feierte.
      foto: privat

      240 PS, 240 km/h Spitze – der schmucke Porsche 911 SC war das Auto, in dem Gabi Husar ihre größten Erfolge feierte.

    • "Man gibt Gas oder nicht": Gabriele Husar-Niederecker.
      foto: privat

      "Man gibt Gas oder nicht": Gabriele Husar-Niederecker.

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