Die unerträgliche Freiheitlichkeit des Seins

Einserkastl29. Oktober 2017, 18:14
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Jede Diktatur hat Angst vor dem Chaos der Kunst und vor dem Humor

Die Kunst hatte es nie leicht – und mit ihr die Kunstschaffenden. Für die Darstellung verbotener Themen wanderte man schon mal auf den Scheiterhaufen. Später wurde es nicht besser, verbrannt wurden nur noch die entarteten Werke, wenn sie nicht gerade von Nazigranden einkassiert wurden, die Verursachenden wanderten ins KZ oder flohen, wenn sie konnten. Wer sich hingegen ästhetisch der Diktatur Hitlers oder Stalins unterwarf oder gleich unter die Propagandisten ging, konnte ganz gut davon leben.

Jede Diktatur hat Angst vor dem Chaos der Kunst und vor dem Humor. Beides macht hierarchische Ordnung zunichte, die jedes autoritäre System zu verfestigen sucht. Insofern hat die Freiheit der Kunst in Europa und Russland eine gewisse Vorgeschichte.

Sollten die Freiheitlichen es ernst gemeint haben mit ihrem neuen Stil, so hielt sich das Vorhaben nicht lange. Die unerträgliche Freiheitlichkeit des Seins machte auch vor Theaterplakaten zum Thema Fake-News nicht halt. Neben Kim Jong-un waren zwar neben dem Direktor selbst auch Michael Häupl und andere Politiker durch den Kakao gezogen worden. Der Satz "Strache macht ein Jahr Bildungskarenz" löste trotzdem blauentbrannte Wut aus und wurde mit Drohung des kompletten Subventionsentzugs geahndet – wegen politischer statt künstlerischer Intervention. Dabei wäre die Idee an sich ganz wunderbar – auch politisch betrachtet. (Julya Rabinowich, 29.10.2017)

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