Vierte Runde im "Kasperltheater" der Metaller

30. Oktober 2017, 12:18
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Die Gewerkschaft fordert ein ernsthaftes Angebot der Arbeitgeberseite, die sich an Selbstinszenierung und Ton der Gewerkschafter stößt

Wien – Der Jungen Industrie (JI) dauert die Herbstlohnrunde der Metaller offensichtlich schon zu lang. Ein "unsägliches Kasperltheater" nannte JI-Bundesvorsitzender Andreas Wimmer das Feilschen um den neuen Kollektivvertrag für 130.000 Beschäftigte in der Metalltechnischen Industrie, das am Montagvormittag in die vierte Verhandlungsrunde geht.

Dieses Kasperltheater möge man bitte beenden, denn augenscheinlich funktioniere die Sozialpartnerschaft hier nicht. "Die KV-Verhandlungen sind doch nichts anderes mehr als die Bühne zur Selbstinszenierung der Gewerkschaftsbosse", teilte Wimmer via Aussendung mit. Es würden ständig nur neue Forderungen und Beschimpfungen ventiliert, anstatt hinter verschlossenen Türen zu verhandeln.

Ton wird rauer

Dass die Wortspende das ohnehin angespannte Klima zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern verbessert, ist nicht anzunehmen. Fest steht, dass der Ton rauer wird und im Fall des Scheiterns ab 31. Oktober österreichweit Betriebsversammlungen abgehalten werden – um den Druck zu erhöhen und der Forderung nach einem Vierer vor dem Komma Nachdruck zu verleihen, wie es bei den Gewerkschaftern heißt.

Ob es im vierten Anlauf klappt, ist mehr als fraglich, beide Seiten sind noch weit auseinander – oder eigentlich noch gar nicht aufeinander zugegangen. Die Produktions- und Privatangestelltengewerkschafter fordern höhere Auslandsdiäten sowie eine bessere Entlohnung von Schicht- und Nachtdiensten und der Lehrlinge sowie die Einrichtung des sogenannten Papamonats nach der Geburt eines Kindes.

Unvernünftige Forderungen

Den Arbeitgebern liegt nach der missglückten Einigung bei der Arbeitszeitflexibilisierung die Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten ab Mitte 2018 schwer im Magen. "Die Gewerkschaften haben sich mit ihrer Verweigerung bei der Arbeitszeitflexibilisierung und der Umgehung der Sozialpartnerschaft durch parlamentarische Beschlüsse im Grunde aus der Sozialpartnerschaft verabschiedet", legte Fachverbandsobmann Christian Knill via Aussendung nach. "Unvernünftige und übertriebene Forderungen" machten einen Abschluss "jedes Jahr schwerer", attestiert Knill, der schlechten Stil beklagt. Die Tonalität sei aus dem letzten Jahrhundert, ziele auf Konfrontation und Streit ab.

Das Forderungspaket der Gewerkschaft summiere sich heuer zu Entgelterhöhungen und Rahmenrecht auf nahezu sechs Prozent. Eine Nulllohnrunde, wie von der Metallgewerkschaft vorgeschlagen, habe die Arbeitgeberseite nie gefordert, betonte Knill.

Schmid-Schmidsfelden mahnt zur Vorischt

Während die Gewerkschaft auf die brummende Wirtschaft verweist und vier Prozent mehr Lohn fordert, mahnte Veit Schmid-Schmidsfelden, Verhandlungsführer für die Wirtschaftskammer, im ORF-Morgenjournal zur Vorsicht.

"Der Branche ist es im ersten Halbjahr 2017 gut gegangen. Die Frage ist, wie nachhaltig ist es? Ist es ein Lüftchen oder ist es eine nachhaltige Entwicklung nach oben?", sagte er. "Wir müssen aufpassen. Wir müssen das Momentum nützen, wir müssen es nützen für Investitionen, die in den letzten Jahren ausgeblieben sind." Abgesehen von Inflation in Österreich und Produktivitätszuwachs sei aber auch der Vergleich mit den Zielländern wichtig. Die Teuerung sei in Österreich höher als in Exportmärkten wie Frankreich, Italien oder die Niederlande. Auch seien die Produktivitätssteigerungen im Vorjahr mit minus 0,4 negativ gewesen, heuer würden in der Branche 1,1 Prozent erwartet. "Das heißt Jubelstimmung haben wir keine", so Schmid-Schmidsfelden.

Auf den Einwand, dass die Gewerkschaftsseite von einer Produktivitätssteigerung von 5,7 Prozent spreche, sagte Schmid-Schmidsfelden: "Es macht natürlich die Verhandlungen nicht leichter, dass die Gewerkschaften derzeit mit Halbwahrheiten argumentieren und deswegen haben wir eben die Gewerkschaften gebeten, ihre Forderungen nochmals zu überdenken". Das gesamte Paket der Gewerkschaften würde zu Kostensteigerungen von sechs Prozent führen: "Es ist schwer bei solchen Forderungen zu einem fairen, vernünftigen Abschluss zu kommen." (ung, APA, 30.10.2017)

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