Causa Meischberger-Villa: Kuckuck im Anflug

28. Oktober 2017, 08:00
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Früherem Financier des Buwog-Angeklagten droht Immo-Zwangsversteigerung

Wien – Der Verkauf der sogenannte Meischberger-Villa in Wien-Döbling sorgt erneut für juristische Aktivitäten. Diesmal droht dem früheren Eigentümer und Chef der Außenwerbeagentur Epamedia, Heinrich Schuster, Unbill, konkret die Zwangsversteigerung seiner Liegenschaften in Klosterneuburg und am Attersee.

Ein Schweizer Geschäftsmann und Freund des Exlobbyisten und Buwog-Angeklagten Walter Meischberger wird nächste Woche einen entsprechenden Exekutionsantrag bei Gericht einbringen. Schuster schuldet ihm aus einem im Vergleichsweg beendeten Gerichtsverfahren, das mit Meischbergers Villa und Buwog zusammenhängt, 430.000 Euro. Schuster haftet für den Betrag solidarisch mit der Erwerb der Waldausgasse 3 GmbH; das heißt, der Gläubiger kann sich aussuchen, von wem er sein Geld holt.

Bitte um "kurzfristen Aufschub"

Der Vergleich wurde im Oktober 2016 geschlossen, spätestens am 30. September hätten Schuster oder Erwerb-der-Waldaugasse bezahlen müssen. 30.000 Euro hat der Unternehmer beglichen, den Rest nicht. Er habe den Schweizer Gläubiger um einen "kurzfristigen Aufschub" gebeten, erklärt Schuster auf Anfrage des STANDARD, "und ich bin gerade dabei, ein Objekt zu veräußern, um flüssig zu sein". Ob Exekutionsantrag oder nicht, er werde die restlichen rund 400.000 Euro "auf jeden Fall heuer noch zahlen", erklärt Schuster.

Wie es zu all dem kommt? Als die Causa Buwog samt den damit verbundenen, unversteuert gebliebenen Honorarzahlungen (7,7 Millionen Euro) an Meischberger offenbar wurden, erstattete der Selbstanzeige bei der Finanz. Um seine Steuerschulden zahlen zu können, borgte er sich auch Geld bei Freunden. Rund 400.000 Euro lieh ihm der Schweizer (Zinssatz: vier Prozent), rund eine Million sein – damaliger – Golffreund, Schuster. Meischberger hoffte damals noch, an sein in Liechtenstein eingefrorenes Geld zu kommen, um damit seine Schulden bezahlen und die Villa so zurückholen zu können.

"Meischi" fühlt sich gelinkt

Der Darlehensdeal lief aus Diskretionsgründen (und weil Meischberger die Villa eben nicht auf immerdar verlieren wollte) kompliziert. Die Darlehen flossen an die eigens gegründete Waldau-Erwerbsgesellschaft, nach Meischbergers Rechtsansicht ist er über einen als Treuhänder fungierenden Anwalt beteiligt, Letzterer sieht es anders. Als Meischbergers Geld in Liechtenstein eingefroren blieb (die Justiz vermutet ja, dass Teile davon Karl-Heinz Grasser gehören), wurden die Darlehen an die Waldau-Erwerbsgesellschaft fällig gestellt, die Villa wurde um 2,4 Mio. Euro verkauft. Zu billig und gegen seinen Willen als Treugeber, sagt Meischberger, der sich gelinkt fühlt.

Prozesse laufen, und auf Basis einer Anzeige Meischbergers prüft die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft die Causa; es gilt die Unschuldsvermutung. Laut WKStA sind die Ermittlungen abgeschlossen, der Staatsanwalt entscheidet demnächst, wie es in der Sache weiter gehen soll.

Gegenseitige Klagen

Meischbergers Schweizer Financier jedenfalls klagte inzwischen seine 400.000 Euro von der Erwerbsgesellschaft und Schuster zurück, das Verfahren endete mit besagtem Vergleich.

Schuster, der nun zahlen muss, kämpft allerdings auch noch an einer weiteren Prozessfront, und zwar mit Raiffeisen. Der Sektor war 2003 in seine Plakatfirma eingestiegen und übernahm sie später ganz. 2009 feuerte Raiffeisen Firmengründer Schuster. In der Folge deckte man einander mit Klagen ein, Raiffeisen forderte sieben Mio. Euro von Schuster.

In einem ersten Teilurteil wurden Raiffeisen 625.000 Euro davon zugesprochen – und das führt zurück zur Villa. Diese Summe hat sich der Sektor mit Zustimmung von Schusters Anwalt aus dem Verkaufserlös der Villa Meischberger geholt. (Renate Graber, 28.10.2017)

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