Kritik an Übersiedlung von Asylwerbern aus Schwechat

27. Oktober 2017, 15:46
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Die abrupte Vorgangsweise sei "unmenschlich", hieß es in einem Protestschreiben – Quartier am Flughafen künftig für freiwillige Rückkehrer

Schwechat – Die Katholische Pfarre Schwechat und der Verein "Raum Schwechat hilft" haben sich in einem Protestschreiben "empört" über die "unmenschliche" Vorgangsweise bei der Verlegung von Asylwerbern aus dem Quartier Henry Dunant am Gelände des Flughafens Wien in Schwechat gezeigt. Kritisiert wurde, dass die Flüchtlinge erst kurzfristig über die Übersiedlung in andere Unterkünfte in NÖ informiert wurden.

Das im Dezember 2015 in Betrieb genommene und auf 400 Personen ausgelegte Quartier Henry Dunant (QHD) stand bisher in der Verantwortung des Landes, mit 1. November übernimmt der Bund. Rund 150 Flüchtlinge werden in diesen Tagen in andere Einrichtungen des Landes verlegt, künftig sollen in dem Containerdorf auf dem Cargo Nord-Gelände des Flughafens nach Auskunft des Innenministeriums freiwillige Rückkehrer vor ihrem Abflug untergebracht werden.

Nur zwei Tage vorher informiert

Die Pfarre Schwechat und der Verein "Raum Schwechat hilft" kritisierten in dem Schreiben, dass die Bewohner erst am Montag von ihrer Verlegung informiert wurden, "und zwar je 50 gleich am folgenden Mittwoch, Freitag und Montag". "Das bedeutet u.a., dass 50 Personen nicht einmal 48 Stunden (!) Zeit hatten, bevor sie aus ihrem neu aufgebauten Leben im QHD herausgerissen wurden. Nicht einmal der Transport der wenigen Habseligkeiten (darunter viele Sachspenden!) wurde sichergestellt, sondern notdürftig ehrenamtlich organisiert", hieß es weiter in dem Schreiben an das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, das Amt der niederösterreichischen Landesregierung und den Vorstand der Flughafen Wien AG.

Man lehne die Schließung des QHD nicht grundsätzlich ab, "weil die Bedingungen der Unterbringung so vieler Menschen an einem so abgelegenen Ort ohnedies nicht für adäquate Integration geeignet waren". "Aber die so abrupte Schließung und Verlegung in dieser unglaublich raschen Geschwindigkeit wirkt sich bei vielen schon einmal Geflüchteten neuerlich traumatisierend aus. So eine Vorgangsweise ist unmenschlich", wurde in dem Schreiben, das der APA vorliegt, betont.

"Wir wissen durch persönliche Kontakte von der Verzweiflung vieler", hieß es, demnach seien Vorschläge bezüglich freier Plätze in anderen Quartieren der näheren Umgebung nicht berücksichtigt worden. Und weiter: "Es bleibt die Frage: Was ist das ehrenamtliche Engagement vieler und der Wille zur Integration der Geflüchteten den Entscheidungsträgern in der Landesregierung und im Innenministerium tatsächlich wert?"

"Keinerlei Einfluss"

Das Innenministerium ließ wissen, dass es auf die Abläufe bis 1. November "keinerlei Einfluss" gehabt habe. Die Verlegung erfolge "ausschließlich in Verantwortung des zuständigen Landesrates in Niederösterreich".

Das Büro des zuständigen Landesrates Franz Schnabl (SPÖ) hatte am Dienstag mitgeteilt, dass zur Abfederung sozialer Härten in Absprache mit der zuständigen Betreuungsorganisation ein entsprechend akkordierter Verlegungsplan erstellt worden sei und mit der Betreuungsorganisation bereits seit über einer Woche die entsprechenden Gespräche geführt worden seien. "Für uns hat selbstverständlich die Sicherstellung der Unterbringung und Betreuung absolute Priorität", hatte es geheißen. Das Rote Kreuz hatte darauf verwiesen, dass die Bewohner informiert worden seien, sobald feststand, wohin sie verlegt werden. (APA, red, 27.10.2017)

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