Schlaue Leute verfallen während Sitzungen in Tagträume

    30. Oktober 2017, 10:09
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    US-Forscher finden Korrelation mit hohen intellektuellen und kreativen Fähigkeiten

    Atlanta – Da sitzt man in einem Meeting und kann einfach nicht verhindern, dass die Gedanken laufend abschweifen, während die Worte des/der Vortragenden allmählich zu einem sanften Hintergrundrauschen verschwimmen ... ärgerlich, man ist schon wieder in Tagträumereien verfallen. Ein gutes Gehirn sollte sich besser konzentrieren können.

    Oder auch nicht: Forscher des Georgia Institute of Technology vermelden nun, dass Tagträume sogar ein Zeichen für ein besonders gut funktionierendes Gehirn sein können. Laut ihrer im Fachmagazin "Neuropsychologia" veröffentlichten Studie komme hier ein ähnlicher Effekt zum Tragen wie bei Schulkindern, die ihren Klassenkameraden voraus sind und die den sie unterfordernden Unterricht zwischendurch ausblenden.

    Die Untersuchung

    Das Team um Christine Godwin und Eric Schumacher maß mittels Magnetresonanztomographie die Gehirnaktivitäten von 100 Probanden, denen man die Aufgabe gestellt hatte, sich fünf Minuten lang auf einen Fixpunkt zu fokussieren. Dabei sollte unter anderem analysiert werden, welche Gehirnregionen im Einklang miteinander arbeiten. Außerdem wurden in einem Test die intellektuellen und kreativen Fähigkeiten der Probanden erhoben, weiters sollten diese in einem Fragebogen angeben, wie oft sie im täglichen Leben die Gedanken abschweifen lassen.

    Grundtenor der Ergebnisse laut Schumacher: Eine hohe Frequenz an Tagträumen korreliert mit hohen intellektuellen und kreativen Kapazitäten. Die "funktionale Konnektivität" der neuronalen Netzwerke sei bei solchen Personen laut MRT besonders hoch.

    Jetzt aber nicht zu früh die Hände reiben, wer beim nächsten Meeting wegdämmert: Dass – in der Wortwahl des Instituts – "schlaue" Menschen tagträumen, bedeutet nicht unbedingt den Umkehrschluss, dass Tagträume immer ein Zeichen für besonders effizientes Denkvermögen sind. Als Anzeichen dafür, dass tatsächlich Effizienz vorliegt, nennt Schumacher die Fähigkeit, sich aus einer Konversation nach Belieben aus- und wieder einklinken zu können, ohne etwas verpasst zu haben. (jdo, 30. 10. 2017)

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