Renault Captur: Der Nachfolger hat es immer schwer

    30. Oktober 2017, 11:22
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    Der Frontantriebs-SUV Captur beerbte konzeptuell den Kleinvan Modus, ist aber ein ganz anderer Typ

    Wien/Kärnten – Bei manchen, ganz wenigen neuen Autos hat man den Eindruck, sie seien noch nicht ganz fertig und hätten das Entwicklungsstadium zu früh verlassen. Der Captur ist so ein Fall. Es ist jetzt schwierig, keinen Verriss zu schreiben – und prinzipiell ist Renault eine sehr innovative, sympathische, verlässliche Marke.

    foto: andreas stockinger
    Der Captur stammt vom Modus ab, zählt nun aber zu den SUV-Artigen.

    Der Captur irritierte uns dann doch sehr. Das Auto knirschte und knarrte wie ein Vorserienmodell. Die Fahrwerksabstimmung ist ungemütlich, das Getriebe ist anstrengend, das Schalten schmeckt nach Arbeit. Irgendwie ist man ständig im falschen Gang, der Antrieb ist entweder kraftlos oder zu forsch, wenn der Turbo nachhilft, dann wieder ruppig, sowohl beim Gangwechsel als auch beim Einsetzen der Motorbremse. Das macht keinen so rechten Spaß.

    Außerdem:

    Die Straße gibt dann auch recht direkte Rückmeldungen, da federt nichts elegant über die Unebenheiten. Das ist auch nicht sehr komfortabel. Außerdem ist der Captur auch in der Variante als Benziner recht laut.

    foto: andreas stockinger
    Schublade statt Handschuhfach, verschiebbare Rückbank: Das praktische Talent hat der Captur vom Modus geerbt.

    Der Innenraum bestäche an und für sich durch ein kluges Platzmanagement, da gibt es ein paar pfiffige Lösungen und Details, auf den ersten Blick wirkt die Ausstattung aber recht billig, da gibt es viel hartes Plastik und hohles Metall. Branchenüblich in der Klasse, aber trotzdem. Das fühlt sich insgesamt nicht sehr kuschelig an. Wirklich sinnvoll ist die verschiebbare Rücksitzbank, die im Innenraum für Flexibilität sorgt. Praktisch ist auch das Handschuhfach: Es ist eine ausziehbare Schublade mit elf Litern Stauvolumen, die auch tatsächlich genutzt werden können. Wer Kinder hat oder selbst ein Schmutzfink ist, wird die abzieh- und waschbaren Sitzbezüge schätzen.

    foto: andreas stockinger
    Die Schutzelemente an den Stoßfängern suggerieren eine gewisse Offroadtauglichkeit.

    Der Captur ist konzeptuell das Nachfolgemodell des doch recht beliebten Modus, der gewissermaßen ein Van im Kleinstwagenformat war. Mit dem Captur versucht Renault allerdings, dem nach wie vor herrschenden SUV-Trend gerecht zu werden. In diesem Segment scheint immer noch viel Wachstum möglich. Also ist der Captur ein Crossover-Modell, das mit einer höheren Karosserie und immer noch einem recht großzügigen Platzangebot daherkommt. Schutzelemente an den Stoßfängern suggerieren eine gewisse Offroadtauglichkeit. Die ist aber eher theoretischer Natur, weil nur die Vorderräder angetrieben werden. Immerhin schützen die Stoßleisten an den Fahrzeugflanken in der Stadt auch in engen Parklücken vor ungestümen fremden Türen. Die Stoßfänger haben unlackierte Schutzelemente, die bei Fremdberührungen nicht gleich Kratzer und Dellen bekommen.

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    Die Armaturen

    Trotz einiger Vorzüge des Captur fällt unser Resümee kritisch aus: Wer seinen Modus liebte, wird sich mit dem Captur schwertun. Das Auto ist zwar erwachsener, fährt sich aber hart und ungelenk. Und der Captur ist lange nicht so unkonventionell und schnuckelig wie der Modus, wenn man das von einem Auto überhaupt behaupten darf. (Michael Völker, 30.10.2017)

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    Renault

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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