Arbeiten am höflichen Mobil

    Ansichtssache27. Oktober 2017, 10:00
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    Japan wäre nicht Japan, flösse in die Überlegungen zur Zukunft des Automobils nicht nationale Befindlichkeit ein, wie die Technik menschlich zu gestalten

    Tokio – Die Japaner sind ein technologieaffines Volk und zugleich eines der höflichsten Völker der Welt. Als Synthese beider Aspekte zeichnet sich nun eine interessante, nationalspezifische Ausprägung des Zugangs zur Zukunft der Mobilität ab: Die Hersteller des Reichs der aufgehenden Sonne arbeiten am menschlichen, am höflichen, am freundlichen Automobil. Auf der Tokyo Motor Show (bis 5. November) findet sich eine Reihe solcher Konzeptfahrzeuge.

    foto: reuters
    Ein Konzept-Fuhrwerk auf der Auto Show in Tokio ist ChairMobi Concept von Honda.

    Kommunkiationsmodelle

    An der entsprechenden Schnittstellentechnik zwischen Mensch und Maschine wird schon intensiv gewerkt, das Spektrum reicht vom autonomen Fahren bis zur freundlichen Nutzerführung in den endlosen Weiten der digitalen Welt. Licht- und Farbspiele erzeugen Wohlfühlatmosphäre, und/ oder sie sorgen für Kommunikation mit der unmittelbaren Außenwelt. Und wenn wer ein E-Auto nicht hört oder gerade den Smartphone-Zombie macht, warnen Schalmeienklänge vor dräuender Gefahr, domo arigato gozaimasu.

    Subtext: Nippons Autobauer mischen bei allen Megathemen mit – autonomes Fahren, Digitalisierung, Vernetzung, umweltfreundliche Antriebe -, nicht immer an vorderster Front vielleicht, bei vielen aber sehr wohl. Bei Antriebskonzepten ist zuletzt zur Wasserstoffbrennstoffzelle, mit der Toyota und Honda bereits (Klein-)Serien auf der Straße haben, die batterieelektrische Variante hinzugekommen (Nissan hat es ja immer schon gesagt), für bestimmte Einsatzzwecke – innerstädtisch – bereitet nun jeder japanische Autobauer entsprechende Fahrzeuge vor.

    Die Quote kommt

    Hintergrund: In China tritt 2019 eine verpflichtende Elektroautoquote in Kraft, zehn Prozent aller verkauften Autos eines Herstellers sollen dann E-Antrieb haben.

    foto: ap
    Auch das sieht man auf der Tokyo Auto Show häufig: Menschen mit Datenbrillen.

    Zum vierten Mal findet die biennal veranstaltete Tokyo Motor Show im Messegelände Big Sight auf der künstlichen Insel Odaiba in der Tokioter Bucht statt. Gezeigt werden nur wenige neue Serienmodelle, dafür aber, wie gesagt, etliche Studien, mehr oder weniger exotische Konzepte, Designs und Technologien zu besagten Trends, das Spektrum reicht von seriös bis bizarr, Mainstream bis Manga, Spar bis Sport.

    Salon-Downsizing

    Und obwohl der Salon sich in der vergangenen Dekade (wie Detroit) zu einer eher regionalen, nationalen Veranstaltung sozusagen downgesizt hat – von gaijinfreie Zone wie im Krisenjahr 2009 ist keine Rede, Gallier und Germanen sind auch heuer wieder in geschlossener Formation angerückt.

    Immerhin ist das Inselreich mit etwas über vier Millionen Neuzulassungen jährlich nach wie vor der drittgrößte Markt – hinter China (2016: 22,9 Mio.) und den USA (17,5). Und am Faktum, dass Nippon absatzmäßig die weltgrößte Autonation ist – nur beim Umsatz liegen die Deutschen vorn -, hat sich nix geändert: Von den 2006 etwa 60 Millionen weltweit gebauten Pkws produzierten die Japaner rund 21, 2016 waren es von 82 knapp 27. Und Österreich? In den ersten neun Monaten heuer liegt man bei zwölf Prozent – ein Prozentpunkt über dem Vorjahr. Rangfolge: Mazda (3,0 Prozent), Toyota (2,4), Suzuki (2,3), Nissan (2,2), Mitsubishi (1,1), Honda (0,7), Subaru (0,2), Lexus (0,1). (Andreas Stockinger, 27.10.2017))

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    foto: andreas stockinger

    Nissans Studie zum vollautonomen Fahren nennt sich IMx – ein ausgewachsener Allrad-Crossover mit zwei Elektromotoren, rund 440 PS und über 600 km Reichweite.

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