Rund 300 zogen aus Österreich in ihren Jihad

27. Oktober 2017, 07:08
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Etwa 110 Personen, die sich Terroristen in Syrien und im Irak anschlossen, könnten noch heimkehren

In Österreich geht das Innenministerium aktuell von etwa 300 Personen aus, die sich in den vergangenen Jahren terroristischen Gruppen angeschlossen haben, um in Syrien oder im Irak als Jihadisten zu kämpfen. Rund 20 Prozent von ihnen waren Frauen, teilweise zogen ganze Familien mit kleinen Kindern in den Jihad.

"Rund 50 davon sind schon auf dem Weg dahin aufgehalten worden", sagt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, dem Standard. Weitere 50 dürften bei ihren Terroreinsätzen zu Tode gekommen sein – und rund 90 sind mittlerweile nach Österreich zurückgekehrt. Gegen sie wurden bereits Strafverfahren eingeleitet.

Ein Fall, der einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, war hier etwa Mirsad O., der als Prediger junge Männer radikalisierte und zur Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) nach Syrien vermittelte – teilweise starben diese Männer dort.

Er wurde im Juli 2016 am Grazer Straflandesgericht in erster Instanz zu 20 Jahren Haft verurteilt. Ein in Graz mitangeklagter Tschetschene soll selbst an Massakern in Syrien teilgenommen haben. Ein anderer bekannt gewordener IS-Heimkehrer hat keinen Migrationshintergrund und gab sich geläutert: Der 16-jährige Oliver N. wurde 2015 bei seiner Rückkehr verhaftet. Er war 2014 zum Islam konvertiert und hatte sich radikalisiert. Der Fernsehsender Puls 4 strahlte kürzlich die Doku über N. mit dem Titel Ich wollte euch schlachten aus.

Ein Fünftel Minderjährige

Laut Grundböck sind rund 20 Prozent der IS-Kämpfer aus Österreich Minderjährige. Zieht man jene, die verstorben sind oder verhaftet wurden, von den rund 300 Personen ab, bleiben circa 110, die noch nach Österreich zurückkehren könnten – vor allem seit der IS immer mehr von ihm besetzte Territorien wieder verliert.

Das Radicalisation Awareness Network RAN (Netzwerk für Radikalisierungssensibilisierung) warnte im August dieses Jahres die EU in einem Expertenbericht davor, dass bis zu 3000 ehemalige Kämpfer des IS, aber auch der Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (der auch die Fatah-Front, ehemals Nusra-Front/Al-Kaida, angehört), in europäische Länder zurückkehren könnten.

"Wir sind darauf vorbereitet", sagt Innenministeriumssprecher Grundböck, "zurzeit können wir aber in Österreich keinen Anstieg bei Heimkehrern feststellen." (Colette M. Schmidt, 27.10.2017)

Hilfe bei Verdacht auf Extremismus

Wer einen Verdacht in Sachen gewaltbereiter Islamismus hat, kann sich in Österreich an die Beratungsstelle Extremismus wenden. Diese bundesweit agierende Anlaufstelle bietet Rat und Hilfe bei Problemen mit Extremismen aller Art an – seien sie religiös oder politisch begründet.

Erreichbar ist die Beratungsstelle kostenfrei unter der Hotline 0800 2020 44. Auch auf Länderebene gibt es Initiativen, in Wien etwa das Netzwerk Deradikalisierung und Prävention. (red)

Link: beratungsstelleextremismus.at

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