RTL und ProSieben: Keine Großeinkäufe mehr von Sony-Serien und -Filmen

26. Oktober 2017, 13:13
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ORF: Seit Jahren keine Outputdeals – Teilt mit Puls 4

Köln/Wien – Mehr Eigenproduktionen, weniger Film- und Serienware aus Hollywood: Das diskutiert und verspricht der öffentlich-rechtliche ORF seit Jahren für seinen stark kaufprogrammierten Film-, Serien- und Sportkanal ORF 1. RTL, neben ProSieben eines der Programmvorbilder für ORF 1, verzichte nun erstmals nach zwei Jahrzehnten auf einen mehrjährigen Großeinkauf bei einem der Hollywood-Riesen Sony.

ORF: Weniger für weniger

Der ORF tut das schon länger, erklärte ein ORF-Sprecher Donnerstag auf Anfrage: "Wir tragen den rückläufigen Quoten bei US-Programmen seit Jahren Rechnung, indem wir sogenannte Splitdeals mit unseren Partnern machen"; auch die Preisgestaltung sei "eine andere Preisgestaltung machen, als noch vor Jahren."

Der genannte Partner dürfte insbesondere Puls 4 sein. Klassische Outputdeals soll der ORF seit Jahren nicht mehr abschließen, sagen Menschen mit Einblick in das Kaufverhalten des öffentlich-rechtlichen Senders. Abnahmemengen wie Preise hätten sich merklich reduziert.

"Zeitenwende"

Eine "Zeitenwende" sieht der Chef des deutschen Branchendienstes DWDL.de schon dräuen: Thomas Lückerath berichtet dort, RTL werde auf einen weiteren Output-Deal mit Sony Pictures Television verzichten. Auch ProSiebenSat1 sehe davon ab, schreibt DWDL.

Bisher matchten sich die beiden großen privaten Sendergruppen Deutschlands um solche Paketdeals über den Gesamt-Output oder bestimmte Volumina aus der Produktion des Studios. RTL habe nach Auslaufen des Sony-Vertrags mit Jahresende nur noch mit NBC Universal einen aufrechten Deal.

"Es ist ein unmissverständliches Signal", findet Lückerath: "Hollywood zieht nicht mehr so wie früher; zumindest bei den großen werbefinanzierten Fernsehsendern. Mehrere Serien-Hoffnungen der vergangenen Jahre haben die Quoten-Erwartungen nicht erfüllt".

ProSieben breit aufgestellt

Allerdings hat ProSiebenSat1 in Deutschland laut Branchenkennern Outputdeals mit Warner, Disney, Fox, Paramount/CBS und für Österreich offenbar auch Verträge mit Universal. Sony wäre nach diesen Infos das letzte noch fehlende Studio.

Als die österreichische Wettbewerbsbehörde bis ins Frühjahr 2017 die Übernahme von ATV und ATV 2 durch ProSiebenSat1Puls4 prüfte, argumentierte der ORF mit der dominierenden Stellung von ProSiebenSat1 beim Rechteeinkauf im deutschsprachigen Raum aufgrund einer Reihe von laufenden Output-Deals. Die Behörde genehmigte den Deal unter Auflagen.

"Pixels" und "House of Cards" im ORF

In ORF 1 laufen in den nächsten Tagen mit Sony-Rechtevermerk etwa "Pixels" mit Adam Sandler und Kevin James am 5. November um 20.15 Uhr und gleich danach "Kindsköpfe mit Adam Sandler und Chris Rock, schon diesen Samstag Quentin Tarantinos "Django Unchained" und am 11. November "Bad Teacher".

Aus dem Sony-Serienportfolio finden sich im ORF-Fernsehen "The Player", "The Big C" und "House of Cards".

derStandard.at/Etat fragte am Feiertag beim ORF nach der künftigen Einkaufspolitik, eine Antwort steht vorerst aus. (red, 26.10.2017)

  • "Pixels" aus dem Sony-Rechtepool läuft am 5. November im ORF.
    foto: orf/sony pictures/© 2015 columbia pictures industries, inc., lsc film ltd.

    "Pixels" aus dem Sony-Rechtepool läuft am 5. November im ORF.

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