Von Bruder in Wien getötete Afghanin war deutlich älter als 14

25. Oktober 2017, 13:34
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Das Opfer war laut Expertise keinesfalls jünger als 16. Auch der angeblich 18-jährige Bruder soll jetzt medizinisch untersucht werden

Wien – Das am 18. September in Wien-Favoriten von seinem Bruder erstochene afghanische Mädchen war deutlich älter als 14 Jahre. Das haben medizinische Untersuchungen der Leiche ergeben. Einem Gutachten zufolge war die Getötete keinesfalls jünger als 16, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits 17 oder 18 Jahre alt.

Dass der Staatsanwaltschaft Wien eine Expertise zum Alter des Opfers vorliegt, bestätigte Behördensprecherin Nina Bussek am Mittwoch der APA. Zum Inhalt gab sie sich aus strafprozessrechtlichen Gründen bedeckt. Klar ist allerdings, dass die neuen Erkenntnisse Auswirkungen auf das Ermittlungsverfahren gegen den Bruder haben werden, der wegen Mordverdachts in U-Haft sitzt.

Frage der Haftlänge

Der Bruder, der das Mädchen mit zahlreichen Messerstichen in der Puchsbaumgasse vorsätzlich getötet haben soll, behauptet, 18 Jahre alt zu sein. Die in diesem Fall ermittelnden Kriminalisten hatten an seinem vorgeblichen Geburtsdatum – 1. Jänner 1999 – von Anfang an Zweifel. Er soll äußerlich wie Mitte 20 wirken. Wäre er älter als 21, hätte das bei einer Anklageerhebung und Verurteilung entscheidende Bedeutung für die Straffrage: Er wäre dann nicht mehr als junger Erwachsener anzusehen, das Jugendgerichtsgesetz käme für ihn nicht in Betracht. Statt einer Strafe von maximal 15 Jahren müsste er bei einem Schuldspruch wegen Mordes mit zehn bis 20 Jahren oder gar lebenslang rechnen.

Die Justiz will nun sein Alter abklären und feststellen lassen, ob der Verdächtige längst erwachsen und dementsprechend zu behandeln ist. Seine Verteidigerin hat sich allerdings dem Vernehmen nach mit körperlichen Untersuchungen des Mordverdächtigen nicht einverstanden erklärt, weshalb nun das Wiener Oberlandesgericht entscheiden muss, ob diese zulässig sind.

Keine Strahlenbelastung ohne Zustimmung

Experten gehen davon aus, dass der junge Mann ohne seine Zustimmung jedenfalls keinen ionisierenden Strahlen ausgesetzt werden darf. Sehr wohl zulässig könnte aber eine Magnetresonanztomografie sein, da dabei keine Strahlenbelastung entsteht. Aus der anthropologischen Begutachtung der Handwurzelknochen und des Kiefers würden sich ebenfalls Rückschlüsse auf das Alter ziehen lassen.

Der Verdächtige war mit seinen Eltern über Pakistan nach Österreich geflüchtet. Interessanterweise hatten schon auf der ersten Fluchtstation die dortigen Behörden die Altersangaben zu dem Sohn bezweifelt. Er soll deshalb in Islamabad sogar geröntgt worden sein. (APA, 25.10.2017)

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