Helfen statt Strafen: Europas Drogenpolitik wirkt

    26. Oktober 2017, 07:00
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    Europas Drogenpolitik ist wesentlich erfolgreicher als jene der USA. Experten warnen jedoch vor Mittelkürzungen der Politik

    Europa ist die Weltregion mit den größten Erfolgen rund um die Drogenproblematik. "Der ausbalancierte Zugang zu dem Problem mit Schadensreduktion, Hilfe und Therapie für die Drogenkonsumenten und Abhängigen und gleichzeitig die Durchsetzung der Suchtmittelgesetze machen sich bezahlt", sagte der Chef der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA), Alexis Goosdeel, kürzlich beim der "Lisbon Addictions 2017", einer Konferenz über Suchtverhalten.

    Während aus den USA immer beängstigender klingende Meldungen über die dort ablaufende tödliche "Opioid-Epidemie" kommen, sehe die Situation in Europa ganz anders aus, betonte Goosdeel: "Die Drogenstrategie der EU und ihrer Mitgliedsstaaten hat dazu geführt, dass das Drogenproblem zunehmend unsichtbar geworden ist. Vergangenes Jahr gab es in Europa 8.000 bis 9.000 Drogentote. In den USA – also einem ähnlich großen Raum – wurden hingegen 66.000 mit Suchtgift in Verbindung stehenden Todesfälle registriert." In den USA setze man viel mehr auf Polizeimaßnahmen und Strafjustiz.

    Auf den errungenen Lorbeeren ausruhen dürfe man sich nicht, so Goosdeel, der auch Psychologe ist: "Dass bei uns keine Süchtigen mehr auf der Straße sterben ist ein gutes Resultat. Wir haben gemeinsam mit Europol vergangenes Jahr erstmals relativ harte Daten zum Marktvolumen von illegalen Drogen vorgestellt. Es geht um 21 bis 32 Milliarden Euro im Jahr. Das zeigt, dass wir weiterhin ein Problem haben."

    1,4 Millionen Drogenkranke

    Es bestehe durchaus die Gefahr, dass die Politik, gerade aufgrund der Erfolge in Europa, die Mittel für eine integrierte Drogenpolitik von der Prävention des Suchtgiftkonsums über schadensreduzierende Maßnahmen (Opiat-Substitutionstherapie, Spritzentauschprogramme), Therapie und Rehabilitation kürzen könnte. Auch Alkohol und Tabak sind Teil der Suchtproblematik, wie es bei der Konferenz in Lissabon immer wieder hieß.

    Freilich gibt es auch in den EU-Staaten noch genügend Defizite bei den Maßnahmen zum Zurückdrängen der Suchtproblematik: So infizieren sich noch immer Opiatabhängige zu einem hohen Anteil durch den Gebrauch nicht steriler Nadeln mit Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV. Die Hepatitis C könnte mit umfassenden Programmen zur Diagnose einer Infektion und einer nachfolgenden hoch wirksamen Therapie eliminiert werden. Auch die medizinische Versorgung von Häftlingen, ein hoher Prozentsatz der Insassen kommt wegen Drogendelikten ins Gefängnis und ist dazu oft auch noch drogenkrank, ist verbesserungswürdig.

    Laut Experten wird auch in Österreich das Vorhandensein von illegalen Suchtgiften in den Gefängnissen ignoriert, was Hilfe und Gegenmaßnahmen unmöglich macht. "In der Justizanstalt Innsbruck kostet eine saubere Nadel bzw. ein sauberes Spritzenbesteck 50 Euro (Schwarzmarktpreis; Anm.)", sagte beispielsweise der Tiroler Psychiater Ekkehard Madlung-Kratzer im Frühjahr bei den österreichischen Ärztetagen in Grado. Diese Zahl stamme von der Anstaltsleitung. Laut Daten aus Deutschland würden aber 25 Prozent der Gefängnisinsassen weiterhin intravenös Drogen injizieren. Wird das nicht zur Kenntnis genommen, kann in Gefängnissen kein regelrechtes Spritzentauschprogramm angeboten werden. Infektionen sind die Folge. (APA, 26.10.2017)

    • Spritzentauschprogramme sind schadensreduzierende Maßnahmen. Sie tragen zur erfolgreichen Drogenpolitik in Europa bei.
      foto: heribert corn

      Spritzentauschprogramme sind schadensreduzierende Maßnahmen. Sie tragen zur erfolgreichen Drogenpolitik in Europa bei.

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