Mord an maltesischer Journalistin: Spur führt zu Schmugglern

24. Oktober 2017, 17:37
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Der "Guardian" beruft sich auf italienische Ermittler

Valetta/London/Wien – Nach dem Mord an der maltesischen Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia gibt es offenbar eine neue Spur. Er könne nicht ausschließen, dass das organisierte Verbrechen hinter der Tat steht, sagte der Chef der Ermittlungsbehörden in Sizilien, Carmelo Zuccaro, dem "Guardian" am Dienstag.

Möglich seien Verstrickungen von Treibstoffschmugglern. Der "Guardian" verweist dabei auf die Verhaftung des Maltesers Darren Debono auf der Insel Lampedusa am Freitag, dem Verbindungen zu Schmuggelnetzwerken libyscher Milizen vorgeworfen werden. Verwandte Debonos sollen Caruana Galizia bedroht haben.

Die Bloggerin hatte aber auch mehrere Korruptionsaffären in Malta aufgedeckt. Sie recherchierte zudem über Vorwürfe in den Panama-Papers, die sich unter anderem gegen Maltas sozialdemokratischen Regierungschef Joseph Muscat und dessen Frau richteten, und erhob Vorwürfe gegen hohe Oppositionspolitiker. Im Februar hatte sie im Europaparlament dem Sonderausschuss zu den Panama-Papers über ihre Recherchen berichtet.

EU-Parlamentssaal soll Caruana Galizias Namen tragen

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani forderte derweil eine internationale Untersuchung des Mordes. "Ich glaube, daran sollte Europol beteiligt werden", sagte er am Dienstag während einer kurzen Zeremonie im Straßburger Plenarsaal, an der die drei Söhne und der Ehemann der Journalistin teilnahmen.

Caruana Galizia habe "bei der Verteidigung unserer Werte an vorderster Front" gekämpft, sagte Tajani. Zugleich kündigte er an, dass der Pressesaal im Straßburger Parlamentsgebäude künftig den Namen der Ermordeten tragen soll. Die Abgeordneten gedachten der 53-Jährigen mit einer Schweigeminute. Am Abend wollten sie in einer Dringlichkeitsdebatte über die Lage der Medien und die Pressefreiheit in Malta diskutieren. (APA, red, 24.10.2017)

  • Nach dem Tod der Journalistin Daphne Caruana Galizia ist das Entsetzten in Malta noch immer groß.
    foto: reuters / darrin zammit lupi

    Nach dem Tod der Journalistin Daphne Caruana Galizia ist das Entsetzten in Malta noch immer groß.

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