Wie Frauen in der Forschung gefördert werden können

26. Oktober 2017, 07:00
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Laura-Bassi-Zentren unterstützen Wissenschafterinnen in industrienahen Forschungsfeldern

Wien – Fast ein Vierteljahrtausend ist es her, dass in Europa zum ersten Mal eine Frau zur Universitätsprofessorin ernannt wurde. Die italienische Philosophin und Physikerin Laura Bassi war das erste "Role Model" für weibliche Wissenschafterinnen.

Heute ist Bassi Namensgeberin eines österreichischen Förderprogramms, das Benachteiligungen von Frauen in industrienaher Wissenschaft und Forschung ausgleichen soll: 2009 wurden vom Wirtschaftsministerium in Kooperation mit der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) die Laura Bassi Centres of Expertise gegründet. Mit der Leitung dieser Zentren wurden Wissenschafterinnen beauftragt, die in den Bereichen der Naturwissenschaften oder Technologie forschen.

Frauen unterrepräsentiert

Sieben Jahre Laufzeit der Zentren waren geplant, die meisten Projekte sind mittlerweile abgeschlossen. Bei einer Podiumsdiskussion zogen die Projektverantwortlichen und die Leiterinnen vergangene Woche Bilanz: Frauen sind besonders in technischen Fächern und in Leitungsfunktionen immer noch erschreckend unterrepräsentiert – darüber war man sich einig. Jedoch: "Die Frage ist: Was kann man dagegen tun?", sagte Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG. "Die Laura-Bassi-Zentren sind genau der Schritt, den wir brauchen." Man hat vor allem die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Industrie im Blick: Es wurden Projekte gefördert, bei denen anwendungsorientierte Forschung im Fokus steht.

Silvia Miksch von der Technischen Universität Wien leitet ein in der Bundeshauptstadt ansässiges Laura-Bassi-Zentrum. Die Informatikerin entwickelt Methoden, die das Verborgene in großen Datenmengen zutage fördern sollen: "Zusammenhänge zwischen den Daten werden in Bilder übersetzt", sagt Miksch. In der Medizin könne diese Technik eingesetzt werden, um Krankheitsgeschichten darzustellen. Soll heißen: Man hat eine Fülle an Patientendaten, aber erst durch die richtige Visualisierung wird beispielsweise ein Zusammenhang zwischen Fieber und Gewichtsverlust klar. Bis März 2018 soll die Arbeit abgeschlossen sein.

Kooperation mit Wirtschaft

Miksch ist mit ihrer Forschung in einem Feld tätig, das nicht eindeutig einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin zuordenbar ist: Kognitionswissenschaft und zwei Teilbereiche der Informatik – Visualisierung und Analyse H werden miteinander verbunden. Ein Ansatz, mit dem Miksch den Projektverantwortlichen entgegenkommt: Bei der Auswahl der Projekte für die Laura-Bassi-Zentren wurde auf Interdisziplinarität geachtet. Insgesamt 15 Millionen Euro steuerte der Bund zur Finanzierung der Projekte bei und übernahm damit sechzig Prozent des Budgetanteils. Den Rest stemmten die Partner aus der Wirtschaft, denn jedes Laura-Bassi-Zentrum muss mit Unternehmen kooperieren. Das Ziel: Aus der Grundlagenforschung soll ein Produkt entstehen, dass auch am Markt verwendet werden kann.

Auch Annelie-Martina Weinberg von der Medizinischen Universität Graz forscht eng an der Praxis: Die Unfallchirurgin arbeitete im Rahmen eines Laura-Bassi-Zentrums an der Entwicklung eines Implantats, das sich im Körper selbst auflöst. Gebrochene Knochen von Kindern sollen durch die Implantate bei der Heilung unterstützt und anschließend vom Körper geschluckt werden. Ein Start-up soll die Schraube nun auf den Markt bringen.

Die Unfallchirurgin war die erste Frau, die sich in ihrer Heimat Deutschland in ihrem Fachgebiet habilitierte. So dient Weinberg für viele als Vorbild: "Ich bin an der Uni aufgefallen, und viele Studentinnen sind zu mir gekommen." Auch Miksch findet den Ansatz, Frauen und ihre Leistungen sichtbar zu machen, gut, wenngleich nicht ausreichend: "Männer müssen darin gefördert werden, dass sie kooperieren können."

Mit dem Abschluss der letzten Zentren im kommenden Jahr soll es, geht es nach den Initiatoren, nicht getan sein: Unter dem Thema Digitalisierung soll eine neue Tranche Laura-Bassi-Zentren gefördert werden. Deren Finanzierung ist allerdings noch nicht gesichert. (Vanessa Gaigg, 26.10.2017)

  • Laura Bassi wurde 1733 die erste Uniprofessorin Europas.
    illustr.: picturedesk / science photo library / sheila terry

    Laura Bassi wurde 1733 die erste Uniprofessorin Europas.

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