Ältestes Seeastrolabium in Schiffswrack entdeckt

Video24. Oktober 2017, 19:49
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2014 fanden Taucher in einem über 500 Jahre alten Wrack vor der Küste des Oman eine Bronzescheibe. Scans bestätigten nun die Vermutungen

Warwick/Wien – Das Entdeckungsschiff Esmeralda war Teil jener Flotte, die vom legendären Vasco da Gama befehligt wurde. Dem portugiesischen Seefahrer gelang 1497 die erste Umsegelung des Kaps der Guten Hoffnung und damit die erste direkte Schiffsreise von Europa nach Indien. Die Esmeralda sank 1503 während eines Sturms im Indischen Ozean und blieb bis vor wenigen Jahren unentdeckt.

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Video: Wracktaucher bergen zahlreiche Artefakte aus den Überresten der mutmaßlichen Esmeralda.

17,5 Zentimeter große Bronzescheibe

2014 aber machten sich Taucher um David Mearns von der Firma Blue Water Recoveries daran, das Wrack zu erforschen. Unter den zahllosen Artefakten, die man bergen konnte, war auch eine Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 17,5 Zentimeter.

Mearns, dessen Buch The Shipwreck Hunter dieser Tage erschien, hielt das Ding für ein Seeastrolabium, den Vorläufer des Sextanten. Mit dieser einfachen Navigationshilfe konnte man den Neigungswinkel der Mittagssonne feststellen und auf diese Weise ermitteln, wo man sich befand.

Unter die Patina geschaut

Die Bronzescheibe war freilich mit einer dicken Patina überzogen, unter der man gerade noch das Wappen des portugiesischen Königs auf der Rückseite erkennen konnte. Auf der Vorderseite war aber rein gar nichts mehr zu sehen.

Um unter die Patina zu blicken, wurde die mysteriöse Scheibe von Experten der Universität Warwick mit neuesten 3D-Scannern untersucht. Und auf diese Weise offenbarte sich, was man bereits vermutet hatte: Auf der Scheibe zeigten sich nun Radien, die mit einem Abstand von jeweils fünf Grad eingraviert worden waren: Die Scheibe war ein Seeastrolabium.

Vor dem Jahr 1500 angefertigt

Wie die Forscher um Mark Williams annehmen, wurde es vermutlich zwischen 1495 und 1500 angefertigt und dürfte damit das älteste sein, das bisher entdeckt wurde. Mearns ist entsprechend stolz, etwas so Seltenes gefunden zu haben, das nun von Archäologen noch genauer untersucht werden wird – und eine Lücke in der Geschichte der Seefahrt schließt. (Klaus Taschwer, 24.10.2017)

  • Die Rückseite der Bronzescheibe, auf der man dank 3-D-Scans die Wappen von König Don Manuel I. erkennt.
    university of warwick

    Die Rückseite der Bronzescheibe, auf der man dank 3-D-Scans die Wappen von König Don Manuel I. erkennt.

  • Auf der Vorderseite werden dank modernster Technik  die Eingravierungen sichtbar, mit denen der Sonnenstand gemessen wurde.
    university of warwick

    Auf der Vorderseite werden dank modernster Technik die Eingravierungen sichtbar, mit denen der Sonnenstand gemessen wurde.

  • Die Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 17,5 Zentimetern dürfte zwischen 1495 und 1500 gefertigt worden sein.
    foto: apa/afp/blue water recoveries

    Die Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 17,5 Zentimetern dürfte zwischen 1495 und 1500 gefertigt worden sein.

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