Neues Sicherheitskonzept für Linzer Bahnhof

24. Oktober 2017, 15:48
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ÖBB, Polizei und Stadt arbeiten zusammen. Die Hausordnung liegt nun auf Farsi und Arabisch auf

Linz/Wien – ÖBB, Polizei und die Stadt Linz setzen mit der Hausordnung in Farsi und Arabisch, einer Umfrage der Caritas und einer kleinen baulichen Maßnahme auf Deeskalation am Linzer Hauptbahnhof. Nachdem seit dem vergangenen Winter eine Massenschlägerei, Raufereien und große Gruppen junger Asylwerber das Sicherheitsgefühl der Bahnhofsbenützer trübten, will man dem mit mehreren Maßnahmen entgegenwirken.

Die ÖBB haben ihre Hausordnung, die auf Deutsch und Englisch aushängt, auf Farsi und Arabisch übersetzt und auf Flyer gedruckt. Das Sicherheitspersonal wird diese bei Bedarf austeilen, erklärte Silvia Angelo, Vorständin der ÖBB-Infrastruktur AG, in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz.

Die Initiative aus Linz hat auch schon das Interesse anderer Bahnhöfe geweckt, Wiener Neustadt in Niederösterreich habe sich gemeldet, auch in Wien gebe es sicher Bedarf. "Die Menschen haben vielleicht auch oft nicht gewusst, warum wir sie wegweisen", hofft der stv. Landespolizeidirektor Erwin Fuchs auf Aufklärung über die Polizeiarbeit durch die Flugzettel.

Das Wichtigste sei aber die Umfrage der Caritas, die im Auftrag von Stadt und ÖBB die zumeist jungen Asylwerber fragte, warum sie sich am Bahnhof aufhalten. Wenn sie nicht auf Züge warten, sondern sich nur treffen wollen, könne man sich um ein anderes Angebot bemühen, meinte Fuchs. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Kriminalität um 20 Prozent gesunken

Die Kriminalität am Bahnhof sei heuer um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (jeweils bis 16. Oktober) zurückgegangen. Nur acht Prozent der insgesamt 917 Delikte heuer waren Gewaltdelikte, viele davon unter den Gruppierungen, Eigentumsdelikte waren mit 60 Prozent am meisten vertreten, 15 Prozent betrafen Drogenhandel. Es gebe am Bahnhof 95 Kameras, eine eigene Polizeiinspektion, die Streifen wurden ausgedehnt und es gebe eigene Bereitschaftseinheiten, erklärte Fuchs.

Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) betonte, dass mit dem Brennpunkt Bahnhof von Polizei und ÖBB seriös und korrekt umgegangen werde. "Verteufeln und verjagen ist kein Umgang" und würde das Problem nur innerhalb der Stadt verlagern. "Nicht alles, was nicht gefällt, ist Kriminalität, oft ist es auch nur ein Ordnungsproblem", gab er zu bedenken.

Aufgabe von Stadt und Land sei es, eine bessere Tagesstruktur für Obdachlose zu schaffen. Es gelte, die Menschen, die sich tagsüber im öffentlichen Raum aufhalten wie Obdachlose, Alkoholiker, Drogenabhängige, psychisch Kranke, die nicht mehr stationär behandelt werden, an den Hot Spots der Stadt zu betreuen. Die Stadt will eine zusätzliche stationäre Einrichtung schaffen, wo sich etwa Obdachlose und Alkoholiker tagsüber aufhalten können. Im Sommer spiele sich alles draußen ab, sobald es kalt werde, verlagere sich das eben auch in den Bahnhof.

Baulich werden zwei Gitter am Ausgang zum Landesdienstleistungszentrum in den kommenden Wochen durch höhere Abgrenzungen ersetzt, damit keiner mehr darauf sitzen kann. Die sitzenden Leute verengten den Zugang zum Bahnhof und es kam dort auch immer wieder zu Streitigkeiten.

FPÖ und ÖVP fordern Alkoholverbot

Für die FPÖ und die ÖVP in Linz sind die am Dienstag vorgestellten Maßnahmen zu wenig. Sie forderten in Presseaussendungen erneut ein Alkoholverbot am Bahnhof und eine WLAN-Beschränkung.

Der freiheitliche Vizebürgermeister Detlev Wimmer und der ÖVP-Klubobmann Martin Hajart wollen am Vorplatz des Hauptbahnhofes analog zur Hausordnung im Gebäude ein Verbot für den übermäßigen Konsum von Alkohol. Ausnahmen sollte es nur bei bewilligten Veranstaltungen und für das Gewerbe geben. Hajart will eine alkoholfreie Zone zumindest probeweise im kommenden Winter.

Wimmer argumentierte zum Thema WLAN damit, dass die ÖBB am Westbahnhof die vormals völlig freie Nutzung eingeschränkt hat. Durch eine geringere Nutzungsdauer habe der Hotspot Bahnhof für potenzielle Krawallmacher an Attraktivität verloren, für Reisende bleibe aber der digitale Servicecharakter erhalten. (APA, 24.10.2017)

  • ÖBB, Polizei und die Stadt Linz setzen mit der Hausordnung in Farsi und Arabisch, einer Umfrage der Caritas und einer kleinen baulichen Maßnahme auf Deeskalation am Linzer Hauptbahnhof. Im Bild sind Flyer mit der Hausordnung auf Englisch, Farsi und Arabisch zu sehen.
    foto: apa/ulrike innthaler

    ÖBB, Polizei und die Stadt Linz setzen mit der Hausordnung in Farsi und Arabisch, einer Umfrage der Caritas und einer kleinen baulichen Maßnahme auf Deeskalation am Linzer Hauptbahnhof. Im Bild sind Flyer mit der Hausordnung auf Englisch, Farsi und Arabisch zu sehen.

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