Gewerkschaft verschärft die Gangart bei Metallerlohnrunde

Video23. Oktober 2017, 21:14
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Nach dem dritten Termin ohne Ergebnis gibt es Betriebsrätekonferenzen und Betriebsversammlungen

Wien – Von Getöse oder Mobilisierung sind die Beamten noch weit entfernt. Ihre Vertreter in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst absolvierten am Montag in aller Stille ihre zweite Runde der Gehaltsverhandlungen mit dem Beamtenstaatssekretariat und beendeten diese ohne konkretes Ergebnis. Diskutiert wurden die wirtschaftlichen Eckdaten von Inflation bis Wirtschaftswachstum, was bei Beobachtern den Eindruck erweckte, man wolle mit einem Abschluss auf die neue Regierung warten.

Hitziger ging es in der dritten Kollektivvertragsverhandlungsrunde der Metalltechnischen Industrie (FMTI) zu, also bei Maschinenbauern und Metallverarbeitern. Von den Arbeitgebern sei kein ernstzunehmendes Angebot gekommen, berichten Sitzungsteilnehmer. "Wenn die glauben, dass sie Zeit schinden und uns veräppeln können, dann haben sie sich getäuscht", schäumte Produktionsgewerkschaftschef Rainer Wimmer nach den ergebnislosen Gesprächen. "Das ist eine totale Provokation", fügte er hinzu.

Gewerkschaft organisiert Versammlungen

Nun wird mobilisiert. Am Mittwoch finden in allen Landeshauptstädten Betriebsräteversammlungen statt und ab 31. Oktober (bis 6. November) Betriebsversammlungen in zahlreichen Betrieben aller fünf Metaller-Fachverbände. Letztere finden nur dann statt, wenn bei den Verhandlungen am 30. Oktober wieder nichts herauskommt.

Das Klima hatte sich bereits im Vorfeld massiv verschlechtert, und die Arbeitgeber brachten das auch zum Ausdruck. Sie sind sauer, weil ein Fahrplan für den Mindestlohn von 1.500 Euro beschlossen, aber kein Kompromiss bei der Arbeitszeitflexibilisierung gefunden – und am 12. Oktober von SPÖ, FPÖ und Grünen auch noch das Gesetz zur Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten im Parlament beschlossen wurde (am Mittwoch steht die Abstimmung des Bundesrats an), was die Personalkosten für Arbeiter und Angestellte ab Juli 2018 schrittweise erhöht.

Mehr Spielraum gewünscht

"Hier ist viel Porzellan zerschlagen worden", stellte der Sprecher der Arbeitgeber, Christian Knill, klar. Die Sozialpartnerschaft funktioniere nur noch auf Betriebsebene sehr gut, womit wohl eine alte Forderung der Industrie in Erinnerung gerufen werden sollte, wonach sich die Unternehmer bei Kollektivvertragsangelegenheiten mehr Spielraum für betriebliche Vereinbarungen wünschen. "Man kann nicht zweimal seine Frau betrügen und ihr gleichzeitig sagen, sie soll dableiben", erklärte Knill.

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Nach dem Alleingang des Parlaments bei der Angleichung von Arbeiter- und Angestelltenrechten geraten die konkreten Forderungen bei den Kollektivvertragsverhandlungen in den Hintergrund. Beitrag aus der "ZiB" um 13 Uhr.

Wie die Beamten scheinen auch die Arbeitgeber auf Zeit zu spielen. Ein Gegenangebot zur Vier-Prozent-Forderung der Gewerkschaft wurde dem Vernehmen nach nicht lanciert. Eine auffällige Koinzidenz mit den Regierungsverhandlungen wird in Verhandlerkreisen freilich vehement bestritten.

Da auch beim Rahmenrecht (Arbeitszeiten, Auslandsdiäten, Zuschläge et cetera) eine Einigung aussteht, wurde über die Prozente der Lohn- und Gehaltserhöhung für 130.000 Metallarbeiter und Industrieangestellte noch gar nicht gesprochen. Es gebe nach Jahren der Stagnation nichts zu verteilen, sagt einer aus der Arbeitgeberrunde, der nicht genannt werden will.

Steigende Inflation

Die Position der Arbeitgeber ist nach Jahren der Stagnation eine verhandlungstaktisch denkbar ungünstige: Die Konjunktur läuft wie geschmiert, die Auftragseingänge sind laut der im Auftrag der Gewerkschaft erstellten Branchenstudie der Arbeiterkammer (AK) in Hochform, und die Inflation steigt.

Von Jänner bis Mai stiegen die Auftragseingänge der Metalltechnischen Industrie um 13,5 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Im Vergleichzeitraum des Vorjahres waren es 13 Milliarden Euro gewesen, im Gesamtjahr 2016 solide 32,9 Milliarden. Eisen- und Stahlerzeuger zogen in den ersten fünf Monaten Aufträge im Volumen von drei Milliarden an Land, das ist ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Die abgesetzte Produktion steigt nach einem Minus im Jahr 2016 kräftig, die Gewinnausschüttungen der 114 untersuchten Unternehmen machten 37 Prozent des Personalaufwandes aus und überstiegen die Sachinvestitionen. "Wären die Dividenden in Sachanlagen investiert worden, wären die Investitionen in der gesamten Metallindustrie 2016 um 129 Prozent gestiegen", rechnet die AK vor. (ung, APA, 23.10.2017)

  • Die Gewerkschaft begann die dritte Verhandlungsrunde mit Aktionismus für die Erhöhung der Diäten für Montage-Auslandsaufenthalte.
    foto: apa / georg hochmuth

    Die Gewerkschaft begann die dritte Verhandlungsrunde mit Aktionismus für die Erhöhung der Diäten für Montage-Auslandsaufenthalte.

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