Neues Krankheitsbild: Anhaltende Trauer

    23. Oktober 2017, 13:17
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    Wer einen Menschen verliert, trauert – nach sechs Monaten sollte die schwerste Phase vorüber sein, eine deutsche Studie untersucht die Wirkung von Psychotherapie

    Das neue Krankheitsbild der anhaltenden Trauerstörung steht im Fokus eines neuen Forschungsprojekts, mit dem sich die Marburger Psychologie an der Studie "Prolonged Grief Disorder (PROGRID)" beteiligt. Die Studie zielt auf eine verbesserte Behandlung von Patienten, die nach dem Verlust einer nahestehenden Person nicht aufhören können, zu trauern. Seit Kurzem bietet die Psychotherapie-Ambulanz der Philipps-Universität ein entsprechendes Therapieangebot für Betroffene.

    Jeder Mensch durchläuft eine Zeit der Trauer, wenn eine nahestehende Person stirbt. "Bei den meisten Betroffenen lässt die Trauer innerhalb der ersten sechs Monate nach", weiß die Marburger Psychotherapeutin Bettina Doering zu berichten, "auch wenn sie gelegentlich wieder zunehmen kann, etwa an Jahrestagen".

    In manchen Fällen gibt es aber keine Besserung: Die Trauer ist auch lange nach dem Verlust noch sehr intensiv. Kommt es zu klinisch bedeutsamen Beeinträchtigungen, sprechen Fachleute von einer Anhaltenden Trauerstörung – eine Diagnose, die demnächst neu in die Klassifikationssysteme psychischer Gesundheit und Krankheit (ICD-11) aufgenommen werden soll.

    Studie startet

    Etwa fünf Prozent der Trauernden entwickeln dieses Beschwerdebild. "Eine Behandlung empfiehlt sich, wenn der Verlust eines Angehörigen länger als ein halbes Jahr zurückliegt und weiterhin schwere psychische und körperliche Symptome den Alltag beeinträchtigen", erklärt Winfried Rief, der die Marburger Psychotherapie-Ambulanz leitet.

    "Für die Behandlung einer Anhaltenden Trauerstörung gibt es verschiedene Ansätze", ergänzt Doering. "Verhaltenstherapeutische Verfahren haben sich in der Behandlung anderer psychischer Probleme bereits bewährt – neu ist die Anpassung für trauernde Patienten". Dieses Ziel verfolgt die Studie "PROGRID". In den kommenden drei Jahren vergleicht die Psychotherapie-Ambulanz der Philipps-Universität zwei Behandlungsweisen miteinander, die sich in der Schwerpunktsetzung während der Therapie unterscheiden. Betroffene können sich an das Behandlungszentrum in Marburg wenden, um im Gespräch mit den Therapeutinnen und Therapeuten zu klären, ob die Behandlungsform für sie geeignet ist. (red/idw, 23.10.2017)

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