"RT Deutsch" veröffentlicht Namen und Adresse von "Nato-Troll"

23. Oktober 2017, 10:30
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Der RT-Kritiker hatte sich mit einer Nato-Flagge in einen Livestream des russischen Propagandakanals gestellt

Das vormals als "Russia Today" bekannte RT hat persönliche Informationen zu einem Kritiker des Senders publiziert. Der Mann hatte sich zuvor mit einer Nato-Flagge in einen Livestream des staatsnahen russischen Internetportals gestellt. Daraufhin outete RT den "Nato-Troll" mit dessen Klarnamen, seiner Adresse sowie seinem Arbeitsplatz. Diese Praxis wird als "Doxxing" bezeichnet, sie kommt etwa gegen Neonazis zum Einsatz. Sie kann dazu führen, dass der Genannte Drohungen erhält oder sogar persönliche Übergriffe passieren.

"Satire"

RT Deutsch konnte den "Nato-Troll" durch eine Unachtsamkeit der "Welt" identifizieren. Die deutsche Zeitung hatte ein Interview mit dem Demonstranten publiziert, der Dateiname des dazugehörigen Fotos trug den Nachnamen des aus Sicherheitsgründen eigentlich als "Matthias G." abgekürzten Interviewpartners. In einem "Satire"-Artikel des RT Deutsch-Chefredakteurs Florian Warweg wurde dann der volle Name von G. sowie ein Foto von dessen Wohnhaus publiziert.

Auf die Anfrage von Vice, warum RT Deutsch diese persönlichen Daten veröffentlichte, soll Warweg keine Antwort gegeben haben. Er schrieb lediglich, dass er überzeugt sei, Herr G. habe "alle möglichen kommunikativen Konsequenzen professionell eingeplant". G. selbst spricht von einem "Einschüchterungsversuch" und einer "typischen Mafia-Methode".

Staatlich finanziert

Der russische Präsident Vladimir Putin sagte über RT, dass dieses "Projekt im Jahr 2005 entwickelt wurde, um das angelsächsische Monopol auf globale Informationsflüsse zu brechen". Zwar sei RT "staatlich finanziert", und würde daher "die Position der russischen Regierung wiedergeben", der Sender soll laut Putin aber unabhängig sein. Kritiker des Netzwerks attestieren ihm eine propagandistische Wirkung. So werden vor allem "Experten" aus den politischen Rändern interviewt, beispielsweise Mitglieder der rechtsextremen Identitären Bewegung. (fsc, 23.10.2017)

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    foto: ap/kochektov
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