Ex-Air-Berlin-Chef Hunold weist Untreuevorwürfe zurück

22. Oktober 2017, 08:30
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Manager soll Laut Bericht Privatflüge mit Geschäftsflugzeugen getätigt haben

Berlin/Schwechat/Frankfurt – Der Unternehmer Joachim Hunold hat am Sonntag Vorwürfe zurückgewiesen, wonach er in seiner Zeit als Chef von Air Berlin Firmengelder verschwendet und veruntreut haben soll. "Die Unterstellungen entbehren jeglicher Grundlage", teilte Hunolds Anwalt Christian Schertz am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur mit. "Es gab auch nie irgendwie geartete Beanstandungen, geschweige denn ein Ermittlungsverfahren."

Die "Bild am Sonntag" hatte zuvor berichtet, dass Hunold laut einem Gutachten des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PwC von 2012 unter anderem "zu privaten Zwecken pflichtwidrig das Gesellschaftsvermögen schädigte, indem er auf Kosten der Gesellschaft mit Geschäftsreiseflugzeugen zu privaten Zwecken flog".

Völlig korrekt verhalten

Schertz betonte indes: "Er hat sich völlig korrekt verhalten. Private Flüge wurden privat bezahlt. Allein geschäftlich veranlasste Flüge wurden übernommen." Zudem sei seinem Mandanten der PwC-Bericht "überhaupt nicht bekannt". Er prüfe rechtliche Schritte, so Schertz. Hunold stieg 1991 bei Air Berlin ein und war bis 2011 Vorstandschef, anschließend wechselte er in den Aufsichtsrat.

Ein Sprecher von Air Berlin teilte auf Anfrage mit: "Wir nehmen derartige Dinge sehr ernst. Sämtliche Vorgänge der Vergangenheit werden im Zuge des Insolvenzverfahrens aufgearbeitet." Die Fluggesellschaft hatte im August Insolvenz angekündigt. Den größten Teil soll die Lufthansa übernehmen.

Laut "Bild am Sonntag" habe der damalige Vorstandsvorsitzende von Air Berlin, Hartmut Mehdorn, Anfang 2012 die interne Revision damit beauftragt, Abrechnungen seines Vorgängers Hunold zu überprüfen.

Im Anschluss daran hätten Fachleute des Unternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) die Vorwürfe geprüft und ein Zwischengutachten mit dem Titel "Mögliche strafbare Handlungen des ehemaligen Chief Executive Officers Joachim Hunold" erstellt. Darin bestätigten sie dem Bericht zufolge Hinweise, "dass Joachim Hunold zu privaten Zwecken pflichtwidrig das Gesellschaftsvermögen schädigte, indem er auf Kosten der Gesellschaft mit Geschäftsreiseflugzeugen zu privaten Zwecken flog".

Kein Kommentar

Nach seinem Ausscheiden bei Air Berlin habe Mehdorn dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Joachim Körber das Zwischengutachten geschickt. In einem Brief vom 10. Jänner 2013 habe Mehdorn geschrieben, er überlasse es Körber, den Vorgang weiter zu verfolgen. Dies geschah aber nicht.

Auf Anfrage der "Bild am Sonntag" äußerten sich Hunold, Mehdorn und Körber nicht. Ein Air-Berlin-Sprecher sagte der Zeitung: "Vorgänge der Vergangenheit werden im Zuge des Insolvenzverfahrens aufgearbeitet." Die krisengeplante Fluggesellschaft hatte Mitte August Insolvenz anmelden müssen. Zahlreichen Beschäftigen droht der Jobverlust, Zehntausende gebuchte Tickets sind verfallen.

Ruf nach schneller Auffanggesellschaft

Vor dem für Montag angesetzten Treffen von Vertretern des Bundes sowie der Air-Berlin-Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern bezüglich einer Auffanggesellschaft für Tausende Mitarbeiter der insolventen Air Berlin in der deutschen Hauptstadt mahnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus, die Fluggesellschaft zur Eile.

"Wir brauchen Anfang nächster Woche eine Entscheidung", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag). Seinen Schätzungen zufolge könnten in der Transfergesellschaft bis zu 4.000 Mitarbeiter Platz finden. Kebekus forderte Unterstützung von der Politik. "Air Berlin selber kann die Transfergesellschaft nicht alleine finanzieren, also brauchen wir Hilfe von den betroffenen Ländern und vielleicht auch vom Bund. Es geht darum, dass die öffentliche Hand den Beitrag bezahlt, den wir nicht leisten können", sagte Kebekus. (APA, 22.10.2017)

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    Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold beim Börsengang der Fluglinie im Jahr 2006.

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