Christoph Luger: Lautlos statt brüllend

    21. Oktober 2017, 15:00
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    Wenn das Schauen die Fingerspitzen kitzelt: Arbeiten des Künstlers in der Wiener Galerie Lindner

    Keine brüllenden Farben", sagt Christoph Luger (geb. 1957 in Bregenz). Das mag er bei Menschen nicht und auch nicht bei Farben. "Lautlos wäre ganz gut." Und tatsächlich sind die Bilder des Malers still. Die pastelligen Farben sind nicht vorlaut, sondern wirken gemeinsam mit dem papierenen Malgrund, mit dessen Textur, mit Verletzungen, Rissen und Löchern. Lasierend legen sich Ockergelb, Himmelblau und Nebelgrau aufs Papier. Mitklingen statt Übertönen.

    Er entwickle seine Bilder auch viel stärker über Formen und das Papier, nicht über die Farbe. In Lugers grafischer Auffassung von Malerei ist das papierene Material Ausgangsbasis: Aus hochwertigem Büttenpapier, häufig gemeinsam mit Briefmarkenpapier, weichem Chinapapier oder durchscheinendem Japanpapier, entstehen lebendige Untergründe. Nass tackert er das Papier an die Wand, fixiert die Ränder mit Klebeband, setzt große Bildträger aus Blättern zusammen.

    Beim Trocknen strafft sich das Papier, bekommt Falten oder sogar Risse. Geplant sei das nicht, aber "wenn's mir zerreißt, bin ich nicht unglücklich", verrät Luger dem STANDARD. Verletzungen, die den Malgrund verlebendigen und fragil erscheinen lassen; manches flickt und klebt er, manches – ausgefranste Ränder etwa oder Tackerklammern – bleibt so. Spuren, an denen der Blick hängenbleibt.

    Jeden Freitag ein Bild

    Erst darauf skizziert Luger Strukturen und Raster, definiert die Flächen für die Leimfarbe. Ein Prozess, der jeweils eine Woche dauert und freitags mit einem Bild abgeschlossen wird. Der Ablauf geißelt Luger nicht – im Gegenteil. Beim Frühstück am Freitag empfindet er eine spannungsvolle Vorfreude.

    Es ist eine abstrakte Malerei, dennoch klingen in ihr visuelle Erfahrungen nach. Auch Farberlebnisse. Aber eher unbewusst. Einmal hat er erst im Nachhinein entdeckt, dass ein Bild das spezielle Blau einer auf einer Reise entdeckten Blume trifft. Trotz solcher der Natur entnommenen Impulse sind die Bilder aber flach: "Die Farben sollen ja nicht rauspurzeln, sondern an der Wand picken bleiben", so Luger, den Freskenmalerei stets fasziniert hat.

    Die Galerie Lindner zeigt nun einige von Christoph Lugers Arbeiten. Man berührt sie mit den Augen, und dann beginnt es in den Fingerspitzen zu kitzeln. (Anne Katrin Feßler, Album, 21.10.2017)

    Bis 27. 10.
    Galerie Lindner
    Schmalzhofgasse 13/3, 1060 Wien

    • Malerei, an der Textur und Struktur des Malgrundes wesentlichen Anteil haben: Christoph Luger, o. T., 2015.
      foto: eduard tauss

      Malerei, an der Textur und Struktur des Malgrundes wesentlichen Anteil haben: Christoph Luger, o. T., 2015.


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