Hobbys versus Beruf: Was ist wichtig im Leben?

    21. Oktober 2017, 09:00
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    Wie Freizeit und Job bestmöglich in Einklang gebracht werden können – und was geschieht, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf macht

    Hobbys geben dem Lebenslauf eine sympathische Note: Das sagen in einer Studie des Onlineportals Karriere.at 42 Prozent der befragten Personalmanager. Wie man Freizeitbeschäftigungen bestmöglich hervorkehrt, dazu finden sich unzählige Tipps im Netz. Einer davon: "Geben Sie nie mehr als drei Hobbys an, man könnte sonst den Eindruck bekommen, dass Sie an der Freizeit mehr interessiert sind als am Beruf."

    Bei einem Vorstellungsgespräch leidenschaftlicher über Hobbys zu sprechen sei ungefähr so wie bei einem ersten Date leidenschaftlich über den Ex-Partner zu sprechen, lautete eine Analogie bei einer Veranstaltung an der der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. Dort wurde im Rahmen der Eventreihe "Open Minds" zum Thema Hobbys und Beruf diskutiert. Gäste auf dem Podium waren Bettina Stomper-Rosam, Mitgründerin der Rechtsanwaltskanzlei Northcote.Recht, und Unternehmensberater und Buchautor Andreas Salcher.

    "Echte Menschen"

    Seinen Hobbys einen wichtigen Platz im Leben einzuräumen hält Stomper-Rosam für wichtig. Für sie hat das zunächst offenbar einen ganz praktischen Grund: "Wenn man zu sehr reinhackelt, hat man irgendwann die Schnauze voll." Ihre Kanzlei schreibt es sich auf die Fahnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein möglichst flexibles Arbeiten zu ermöglichen. "Man sagt mir, wann der Beruf ins Leben passt, und wir bauen das Unternehmen drumherum." Die Rechtsanwältin ist überzeugt, dass im Arbeitsleben nicht jene punkten, "die sich hinter einem Buch verstecken, 15 Auslandssemester machen und sonst kein Leben haben", denn: "Konzerne wollen echte Menschen."

    "Leute, die alles in Mindeststudienzeit machen, sind ja furchtbar", pflichtet ihr Unternehmensberater Salcher bei und geht sogar so weit zu sagen: "Bei der Entscheidung zwischen einem gelungenen Lebenslauf und einem gelungenen Leben wählen Sie Letzteres."

    Gorillas retten & Co.

    Aber welche Ausschnitte dieses Lebens sollte man im Lebenslauf auch preisgeben? Glaubt man Empfehlungen, sind es vor allem jene, die einen Bezug zum Job haben. Wer sich also etwa für eine Stelle in der Lebensmittelbranche bewirbt, dürfe seine Liebe zum Kochen ruhig hervorkehren. Angeblich ebenfalls erwünscht: ehrenamtliches Engagement. Etwas nur deshalb zu machen, weil man denkt, es komme gut an, "führt jedoch zu nichts", sagt Stomper-Rosam. Salcher dazu: "Retten Sie Gorillas in Afrika, aber tun Sie es nicht, weil Sie glauben, dass es gut für Ihren Lebenslauf ist."

    Gefährliche Sportarten, sagen Ratgeber, sprächen wiederum für Risikobereitschaft, die nicht in jeder Position angebracht sei. Ebenfalls besser nicht angeben solle man triviale Hobbys wie Joggen oder Briefmarkensammeln. "Ich halte das für Unsinn", sagt Salcher. Dass Personaler Bewerber wegen eines bestimmten Hobbys nicht auswählen, hält er, wie durchklingt, für unklug und auch unwahrscheinlich.

    "Outside the box"

    Die erfolgreichsten Menschen hätten oft die seltsamsten Hobbys – und teilweise auch die meisten Brüche im Lebenslauf, denn durch sie entwickle man sich. Nicht unbedingt Geradlinigkeit führt demnach zum Erfolg, sondern Umwege, Unkonventionalität. Eine Zukunftskompetenz, nach der Unternehmen angeblich suchen, ist das "Thinking outside the box". Salcher bringt als Beispiel Google ein: Der Tech-Riese stelle bevorzugt Bewerber ein, die auch auf einem ganz anderen als ihrem Fachgebiet Interessen vorweisen können. "Egal ob sie nun an einer Regatta teilgenommen, eine Weltreise gemacht oder ein Buch geschrieben haben." Wesentlich sei eben, aus dem linearen Denken, das Innovation verhindert, ausbrechen zu können.

    Dass Mitarbeiter, die sich neben der Arbeit künstlerisch-kreativ betätigen, besser performen, ist tatsächlich bereits wissenschaftlich nachgewiesen.

    Beruf und Berufung

    Thema war an diesem Abend noch, ob man Hobbys auch zum Beruf machen kann und sollte. Stomper-Rosam stört die strikte Trennung: "Gewisse Berufe würde ich gar nicht ergreifen wollen, weil sie mich nicht freuen. Das, was ich täglich mache, würde ich nicht machen, wenn ich nicht bis zu einem gewissen Grad auch sagen könnte: Das ist mein Hobby". Unternehmensberater Salcher: "Für Dinge, die Spaß machen, bezahlt zu werden, ist natürlich das Optimum."

    Für den Anspruch, dass ein Job sinnstiftend sein und Spaß machen muss, hat sich mittlerweile sogar ein Begriff etabliert: "Passion-Principle". Ein prominenter Vertreter ist Apple-Gründer Steve Jobs, der angeblich gesagt haben soll: "Nur wenn du einen tollen Job hast, für den du dich begeisterst, wirst du zufrieden sein."

    Kritiker monieren, es sei realitätsfern zu glauben, jeder könne maximale Leidenschaft für seinen Beruf aufbringen – außerdem scheitere ein Großteil der Berufstätigen ohnehin daran. "Wenn Arbeit uns Erfüllung, Selbstverwirklichung und Glück bringt, unserem Leben Sinn schenkt – warum in aller Welt werden wir dann noch dafür bezahlt?", argumentiert etwa Volker Kitz, Redner zu den Themen Psychologie und Arbeit.

    Laut einer Studie, die kürzlich im Academy of Management Journal veröffentlicht wurde, ist es auch gar nicht besonders gesund, für den Job zu brennen. Jene, die ihren Beruf als Berufung sehen, seien eher burnoutgefährdet – und erlitten eher Enttäuschungen. (Lisa Breit, 21.10.2017)

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      Erfüllung könne das Leben in anderen Bereichen bieten – für Arbeit werde man aus guten Grund bezahlt, sagt Volker Kitz, Buchautor und Redner zu den Themen Psychologie und Arbeit.

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