Riesige Mondhöhle könnte künftigen Kolonisten Schutz bieten

20. Oktober 2017, 06:00
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Astronomen erfassten mithilfe der japanischen Sonde Selene ein 50 Kilometer langes und 100 Meter breites Höhlensystem

illustr.: jaxa/selene/crescent/akihiro ikeshita
Die japanische Mondsonde Selene entdeckte mit Radarmessungen einen möglichen Zufluchtsort für künftige Mond-Kolonisten.

Tokio/Washington – 45 Jahre ist es her, dass das letzte Mal ein Mensch die Oberfläche des Mondes betreten hat. Mittlerweile taucht der Erdtrabant aber wieder häufiger in den Zukunftsplänen einiger raumfahrender Nationen auf – unter anderem als Zwischenstation auf dem Weg zum Mars oder als mögliche lukrative Rohstoffquelle.

Dabei gilt es allerdings einige Hürden zu überwinden: Besonders die kosmische Strahlung, solares Partikelbombardement und die starken Temperaturschwankungen dürften potenziellen Mondkolonisten zu schaffen machen. Nun haben japanische Wissenschafter mithilfe der japanischen Mondsonde Selene unter der Oberfläche des Mondes eine Höhle entdeckt, die Astronauten Schutz vor diesen Widrigkeiten des Alls bieten könnte.

foto: nasa/goddard/arizona state university
Das sogenannte Marius Hills Skylight ist eine Lavahöhle von gewaltigen Ausmaßen.

Riesiger Höhlenkomplex

Bei dem 50 Kilometer langen und 100 Meter breiten Hohlraumsystem dürfte es sich nach Ansicht der Astronomen um einen rund 3,5 Milliarden Jahre alten ehemaligen Lavatunnel handeln, teilte die japanische Weltraumbehörde Jaxa mit. Dass es solche unterirdischen Tunnel auf dem Mond gibt, war Forschern bereits seit langer Zeit klar. Nun aber ist es den Wissenschaftern gelungen, mit Radardaten ihre Ausmaße zu erfassen, wie Jaxa-Forscher Junichi Haruyama erklärte.

Die gewaltige Höhle in der sogenannten Marius-Hügelgruppe würde genug Platz für eine umfassende Mondstation bieten, um die Astronauten vor den gravierenden Temperaturschwankungen und der gefährlichen Strahlung auf der Mondoberfläche zu schützen. Die Details ihrer Messungen wurden diese Woche in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.

illustr.: purdue university/david blair
In Lavahöhlen des Mondes könnten theoretisch ganze Städte Platz finden.

Ehrgeizige Pläne

Erst im Juni verkündete Japan sein ehrgeiziges Vorhaben, bis 2030 einen Astronauten auf den Mond schicken zu wollen. Zum ersten Mal würde damit ein japanischer Astronaut außerhalb der Internationalen Raumstation zum Einsatz kommen.

Zunächst sollen die japanischen Raumfahrer 2025 eine Mission der US-Weltraumbehörde Nasa zur Errichtung einer Raumstation in der Mondumlaufbahn unterstützen. Die Mission dient als Zwischenschritt für eine Langzeitmission der Nasa, die mit Hochdruck daran arbeitet, ab den 2030er-Jahren Astronauten zum Mars zu schicken.

Die USA kündigten ebenfalls an, wieder Astronauten auf den Mond zu schicken. "Wir werden wieder amerikanische Astronauten zum Mond schicken, nicht nur, um Fußabdrücke und Flaggen zurück zu lassen, sondern um die Basis zu errichten, die wir brauchen, um Amerikaner zum Mars und weiter zu schicken", erklärte US-Vizepräsident Mike Pence in diesem Monat. (red, APA, 20.10.2017)

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